07.06.2018

Mit Musik Herzen berühren - Kantor Martin Stegmann blickt zurück auf 40 Jahre als Kirchenmusiker


Hüsten. Martin Stegmanns Arbeitszimmer mit Schreibtisch, Orgelbock und Sitzecke befindet sich im Erdgeschoss seines Hauses  in Holzen. Die Familie hat es aus einem Bauernhof zurückgebaut. Hier lebt Martin Stegmann, früher mit seinen Schwiegereltern, dann mit den beiden Kindern und jetzt mit seiner Frau. Der große Garten und die dahinterliegenden Felder und Wälder locken zum Spaziergang. Hier lässt es sich leben, denke ich und verstehe, dass Martin Stegmann so zufrieden auf mich wirkt.

Die Ev. Kirchengemeinde Hüsten feiert mit ihm am 24. Juni, dem westfälischen Tag der Orgel, seine 40 Jahre als Kirchenmusiker in der Ev. Kirche von Westfalen und seine 25 Jahre als Chorleiter in Hüsten. Er erinnert sich noch ganz genau an den 11. März 1993: Er leitete seine erste Chorprobe in Hüsten. Sechs Monate Probezeit folgten, der Chor wuchs schnell und Martin Stegmann erarbeitete mit ihm ein Repertoire, das sie jederzeit nach einen kurzen Probe wieder abrufen können. Auf Augenkontakt leitet er die Sängerinnen und Sänger: „Sie müssen sich wohl und frei fühlen und Freude haben am Singen“. Als Chorleiter geht er auf die Bedürfnisse der Choristen ein, plant mit langem Vorlauf und klärt alle genau auf über das, was sie beim Singen in Gottesdienst oder Konzert machen müssen. Gruppendynamische Schwierigkeiten nimmt er wahr und spricht sie mit Einzelnen an. Er singt nicht nur mit ihnen, sondern ist auch das für sie, was er ursprünglich beruflich werden wollte: Seelsorger. Sein erstes Studienfach nach dem Abitur auf dem musischen Gymnasium in Detmold war Theologie. Er quälte sich mit der hebräischen Sprache und entdeckte, dass das Studium ihm über Seelsorge nichts beibrachte. So wandte er sich zunächst der Schulmusik und später wieder der Kirchenmusik zu.

Musikalität liegt in seinen Genen: der eine Großvater überprüfte bei Krupp in Essen den Klang von Stahl und spielte im Posaunenchor, der andere war zum  Stadtpfeifer ausgebildet. In seiner Familie wurden der christliche Glaube und die Musikerziehung gepflegt. Auch mit Druck: der Großvater setzte den dreijährigen Martin ans Klavier, der darüber gar nicht erfreut war. Jeden Sonntag gingen die vier Stegmann-Kinder in den Gottesdienst, bei Proben ihrer Eltern, die mit der Geige und als Sängerin konzertierten, saßen sie dabei, malten und … langweilten sich. Trotzdem haben heute alle als Musizierende, als Lehrende oder als Verkäuferin von Musikalien etwas mit Musik zu tun, wie Martin Stegmanns Kinder auch.
Seine Frau Susanne hat er in Münster beim Studium kennengelernt. Er folgte der Lehrerin ins Sauerland. Sie verdient den Großteil des Familieneinkommens, beide teilten sich die Kindererziehung und er übernahm immer mehr musikalische Aufgaben in den evangelischen und katholischen Kirchengemeinden Hüstens. Seit 2002 liegt die gesamte evangelische Kirchenmusik Hüstens in seinen Händen: neben dem Kirchen- leitet er den Posaunenchor, übernimmt alle Orgeldienste, schreibt Bläser- und Chorsätze, Arrangements für die Kirchenband, in der am Klavier mitspielt, und ist regelmäßig zu Gast in den Kreisen der Gemeinde.

Heute spiele er „nur“ noch Klavier, Orgel, Flöte und sehr selten Trompete. Doch im Laufe seines Lebens hat er außerdem Geige, Bratsche und Kontrabass gespielt, je nachdem, was im Orchester oder in der Familienkammermusik gebraucht wurde. Stegmanns Lieblingsmusiker, wenn man das überhaupt sagen kann, sind Bach und Mahler. An Bach bewundert er die „meisterliche Art zu komponieren“. Besonders in Bachs textgebundener Musik sei es faszinierend wie Textaussage musikalische Aussage wird und umgekehrt. Auch von Mahlers ist Stegmann begeistert: Wie Musik und Instrumentation z.B. in seinen Orchesterliedern den Text beleuchten, interpretieren und  sich gegenseitig durchdringen, das findet er einzigartig genial und berührend. Stegmann ist offen für moderne Musik, mit der ihn seine in London Flöte lehrende Tochter immer wieder neu konfrontiert. Deutsches Schubladendenken ist ihm fremd: „Ernsthafte Musik muss unterhalten und Unterhaltungsmusik muss mit gekonnter Ernsthaftigkeit gemacht werden.“, findet er und freut sich über Konzertbesucher z.B. in Londons Royal Festival Hall: Da sind festlich und formal gekleidete Menschen neben anderen im Hippie-Look oder in Alltagskleidung. Alle aber verbindet die Begeisterung für die Musik.

Am 1. April 2020 wird Martin Stegmann in den Ruhestand gehen. Dann wird er mehr Zeit haben für andere Leidenschaften: den Bau von Schiffsmodellen, seine Briefmarkensammlung und andere handwerkliche Tätigkeiten. Der Hüstener Gemeinde ist zu wünschen, dass sie wieder jemanden findet, der mit so viel Herz, Freude und Leidenschaft die vielfältige Kirchenmusik in der Gemeinde gestaltet. KKB


Martin Stegmann an der Orgel Bild: H.Curdes

Die Mutter malte die ersten Noten für den kleinen Martin.

 
 
 
 
Mit Musik Herzen berühren - Kantor Martin Stegmann blickt zurück auf 40 Jahre als Kirchenmusiker
 

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