03.07.2018

„Ein Aufschrei muss kommen“ - Superintendent wendet sich auf Kreissynode gegen unmenschliche Entscheidungen


Meschede. „Die Kirche hat gesellschaftliche Verantwortung und ist verpflichtet zu politischen Fragen Stellung zu nehmen“, schreibt Superintendent Alfred Hammer in seinem letzten Jahresbericht. Das verdeutlichte er in einem persönlichen Zwischenruf auf der Kreissynode im Mescheder Kreishaus vor über 70 Delegierten und Gästen aus den Gemeinden des Ev. Kirchenreises: „In diesen Tagen suche ich in einer aus den Fugen geratenen Welt nach der Nächstenliebe, nach Solidarität und Gerechtigkeit.“ Davon sei die Welt weggerückt, beklagte er. „Wie anders soll ich es bezeichnen im Angesicht von Schiffen mit Flüchtlingen, z.T. traumatisiert, misshandelt und gefoltert. Und kein Land nimmt diese Menschen im Namen der Nächstenliebe auf.“ Er kritisierte Politiker, die mit ihren Streitigkeiten ein 70 Jahre dauerndes Friedenssystem aufs Spiel setzten. „Wer nur Wahlen gewinnen möchte und dabei den Untergang von Menschen in Kauf nimmt, der hat nichts verstanden von der Botschaft des Christentums.“ Ihn hätten die Schreckensnachrichten stumm gemacht und auch von den Kirchen habe er keinen Aufschrei gehört. „Aber wenn Menschen hin und her gestoßen werden, muss ein Aufschrei kommen.“

Fast alle Synodalen machten sich Hammers Zwischenruf zu eigen. Außerdem gaben sie der Landessynode den Auftrag, erneut Sondermittel aus Kirchensteuern für die Flüchtlingsarbeit in Westfalen und für die Unterstützung der Flüchtlingsarbeit ökumenischer Partner an den EU-Außengrenzen zu bewilligen. Außerdem folgten sie Diakoniepfarrer Peter Sinn und forderten die westfälische Kirchenleitung auf, sich gegenüber der Bundesregierung einzusetzen gegen die Errichtung sogenannter AnKER-Zentren und für eine menschenwürdige Auslegung des Asylrechts, u.A. für dezentrale Unterbringung der Geflüchteten, Schutzraum für Kinder und verletzliche Personen  und eine maximale Aufenthaltsdauer von drei Monaten in Ankunftszentren.

Vorbereitungen auf neuen Kirchenkreis
In seinem letzten Jahresbericht vor seinem Ruhestand verortet der Superintendent die evangelische Kirche im Sauerland in bewegten Zeiten. Darin müsse sie ihre Organisationsstrukturen so gestalten, dass sie ihrem Verkündigungsauftrag nachkommen könne trotz Überalterung, sinkender Gemeindegliederzahlen und Kirchensteuereinnahmen. Deshalb wurde mehrere Jahre auf die Gründung des neuen Kirchenkreises Soest-Arnsberg hingearbeitet. Hammer dankte allen, die sich an diesem Prozess beteiligt haben, und berichtete über Entwürfe neuer Strukturen, denen die Kreissynodalvorstände in den letzten Monaten zugestimmt  haben. Ein Schwerpunkt des neuen Kirchenkreises liegt auf der Erweiterung der Pfarrstellen für Krankenhaus-, Alten- und Notfallseelsorge. Die Inhaber sollen ehrenamtliche Seelsorger/innen ausbilden.
In Bereichen wie der Diakonie, der Kirchenmusik, dem Schulreferat, der Erwachsenenbildung und den Kindertagesstätten und der Jugendarbeit sind Strukturen entwickelt worden. In anderen Bereichen müsse diese Arbeit noch getan werden. Wichtig ist Hammer, dass die Arbeit in den Gemeinden vor Ort, in den gemeindeübergreifenden Regionen und auf der Ebene des Kirchenkreises sich ergänzen. „Nur so kann Kirche flächendeckend Menschen mit ihren unterschiedlichen Erwartungen erreichen“, machte er seine Meinung klar.

Grüße aus Bielefeld, Soest und der Abtei
Oberkirchenrätin Doris Damke aus Bielefeld überbrachte Grüße von der Ev. Kirche von Westfalen und würdigte Hammers Bericht als „wahrhaftig grundlegende Zeitansage“. Aus der Besinnung nach innen zu Gott müsse – wie Hammer schreibt - die Bewegung der Kirche in die Welt kommen. Und dazu müsse „Kirche sich neu denken.“
Ökumenische Verbundenheit strahlte Bruder Vincent Grunwald von der Abtei Königsmünster aus. Als Vertreter des Abtes erinnerte an Ereignisse aus dem Reformationsjubiläumsjahres 2017 und dankte für die Offenheit der evangelischen Geschwister.
Superintendent Dieter  aus Soest  bezog sich in seinem Gruß auf den Eröffnungsgottesdienst. Pfarrer Martin Vogt aus Sundern hatte ihn gestaltet zum Thema: Aufbrechen und unterwegs mit offenen Sinnen Neues erfahren.

Haushalte Kindergärten und neues Kreiskirchenamt
Im weiteren Tagungsverlauf beschlossen die evangelischen Parlamentarier die Haushaltsplanung  für die sieben Kindertagesstätten des Trägerverbundes in Erträgen und Aufwendungen von rund 4.900.000 Euro, nahmen zur Kenntnis, dass das Kreiskirchenamt Sauerland-Hellweg nach einer anstrengenden „Einschwingphase“ nun vom „Reagieren aufs Agieren“ gewechselt habe. Leiter Bernd Göbert: „Die Mitarbeiterschaft und die Leitung halten am ursprünglichen Ziel, der Erleichterung von Verwaltungsprozessen, fest.“ Er sei sich sicher, dass in einem halben Jahr die Anpassungsschwierigkeiten überwunden seien.

60 Jahre Brot für die Welt
Zum 60. Jubiläum der evangelischen Wohlfahrtsorganisation „Brot für die Welt“ hatte Katja Breyer, zuständig für den evangelischen Entwicklungsdienst und „Brot für die Welt“, am Beispiel der Arbeit der brasilianischen Parteiorganisation CAPA erläutert, wie mit Spenden die Menschen dort sich eigenverantwortlich für nachhaltige Anbaumethoden in kleinen landwirtschaftlichen Betrieben einsetzen und dadurch mehr Gesundheit und Gerechtigkeit erreichen. „Ich danke auch Ihnen für ihre Spenden“, schloss sie ihren Vortrag. 

Abschied und Dank
„Ihre Liebe zu Gott und ihr mutiger Einsatz für Gerechtigkeit haben mich beeindruckt“, sagte Superintendent Alfred Hammer, als er Franziska Pich verabschiedete. Die Sozialpädagogin und Diakonin hat seit 2015 als Koordinatorin ehrenamtlicher Flüchtlingsarbeit im Kirchenkreis gearbeitet. Ab Herbst studiert sie Theologie in Berlin. Außerdem bedankte Hammer sich bei Pfarrerin Margot Bell, die im Oktober in den Ruhestand verabschiedet wird. Sie habe sich erfolgreich für den Arbeitsbereich Mission, Ökumene und Weltverantwortung  eingesetzt. Außerdem bedankte er sich  für die intensive und zuverlässige Mitarbeit von Projektpfarrerin Christina Bergmann und Andrea Bause, der Sekretärin in der Superintendentur.

Bericht von der Kreissynode in Soest hier


KSV, Delegierte und Gäste im Kreishaus

Alfred Hammer: "Zwischenruf"

Margot Bell und Katja Breyer

Abschied von Franziska Pich

Dank an Christina Bergmann

Dank an Andrea Bause

 
 
 
 
„Ein Aufschrei muss kommen“ - Superintendent wendet sich auf Kreissynode gegen unmenschliche Entscheidungen
 

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