20.01.2018

Ein Stern genügt, um an das Licht zu glauben - Ökumenischer Neujahrsempfang


Marsberg .Der ökumenische Neujahrsempfang der Marsberger Kirchen stand in diesem Jahr ganz im Zeichen der Sternsinger. Und so bezog sich auch die Gemeindereferentin Gabriele Kniesburges für ihre Predigt im in der Emmauskirche darauf. Seit 1959 gibt es die Sternsinger-Aktion unter dem Kindermissionswerk. Die Gemeindereferentin kann sich erinnern, dass in ihrer Heimat Dortmund schon lange auch Kinder mitgehen, die nicht katholisch sind. Doch warum heißen sie eigentlich Sternsinger? In der Bibel stehe nichts davon, dass Könige zu Jesus kamen. Es waren weise Sternendeuter, die den Stand der Sterne, aber auch Sonnen- und Mondfinsternisse mit großer Genauigkeit voraussagen konnten. Sie erkannten anhand der Sterne die Ankündigung des Heilands. Die heutigen Sternsinger singen und erzählen deshalb von der Geburt Jesu. Für Gabriele Kniesburges sind die Kinder selbst Sterne. Viele Menschen warten sehnsüchtig darauf, dass sie kommen, ihr Haus segnen und ihnen damit Hoffnung schenken. Die Kinder hätten einen großen Auftrag: Spenden für die Gleichaltrigen  zu sammeln, denen es weniger gut geht.

Sie sprach ihre Bewunderung und Dankbarkeit für die Sternsinger aus, die bei jedem Wetter von Haus zu Haus gehen und diesen Auftrag erfüllen. Sie seien tolle Menschen in einer gleichgültigen Zeit. „Selbst wenn manche vielleicht nur wegen der Süßigkeiten mitgehen, sie sind dabei und unterstützen damit das Projekt“, so die Gemeindereferentin.
In die Emmauskirche zogen dann auch einige Bredelarer Sternsinger ein. Dort gehen schon seit einigen Jahren ganz selbstverständlich katholische und evangelische Kinder gemeinsam von Haus zu Haus. Zwar höre man immer wieder, dass die Sternsinger das Aushängeschild der katholischen Kirche seien. „Aber ich finde das aber so toll, da kann ich gut mitmachen“, stellte Pfarrer Markus Pape von der evangelischen Kirchengemeinde fest.

Während des anschließenden Empfangs im Gemeindehaus am Jittenberg  erfuhren die Gäste, wohin die Spendengelder unter anderem  fließen. Willi Weitzel, viele kennen ihnen von seiner Serie „Willi wills wissen“, war in Indien für die Sternsingeraktion unterwegs, um zu dokumentieren, welch große Bedeutung die Spenden dort haben. Zwar ist offiziell das Kastensystem in Indien seit vielen Jahren abgeschafft. Doch die Hindu glauben immer noch daran. Die Kasten sind Bevölkerungsschichten, in die man hineingeboren wird, denken sie. Die, die der untersten Kaste angehören, die „Unberührbaren“, haben daher kaum Chancen aufzusteigen. Ganz unten bei dieser Einordnung stehen die jungen Mädchen. Noch unter den Jungen. Sie sind bitterarm. Mädchen im Kindergartenalter hat Willi besucht, die mit ihren Eltern von morgens bis abends über offener Flamme Armreifen zusammenlöten oder biegen müssen, damit die Familie etwas zu essen hat. Sie atmen dabei gesundheitsschädliche Dämpfe ein, die ihre Atemwege zersetzen. Für die Arbeit bekommen sie umgerechnet etwa einen Euro am Tag. Die Menschen, die diese Arbeit machen müssen, haben eine Lebenserwartung von etwa 40 Jahren. Besucht hat Willi aber auch den Freiheitskämpfer und Projektpartner der Sternsingeraktion Dilip Sevarthi, der sich für die Ärmsten einsetzt. Er zeigte, wie viel mit den Spenden erreicht werden kann. Seine Organisation leiht Frauen Geld, damit sie sich beispielsweise eine Ziege kaufen und ihre Milch oder den daraus hergestellten Käse verkaufen können.  Auf diese Weise können die Frauen etwas Geld verdienen und ihre Töchter in die Schule schicken. Das System funktioniert. Schnell zahlen die Frauen den gewährten Kredit zurück. Die Töchter müssen zwar immer noch arbeiten, aber erst nachdem sie in der Schule waren. Das ist gelungene Hilfe zur Selbsthilfe, stellt Dilip Sevarthi stolz fest.

Nach dem Programm bestand bei leckerem selbst hergestelltem Fingerfood noch ausgiebig Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Text und Bilder: Bettina Mander


Evangelische und katholische Gemeindeglieder feierten das neue Jahr.

 
 
 
 
Ein Stern genügt, um an das Licht zu glauben - Ökumenischer Neujahrsempfang
 

Kirchenkreis Arnsberg - Impressum