05.10.2017

„Du kannst nicht hinausfallen oder verloren gehen.“Ungewöhnliches Bauprojekt realisiert


Marsberg. „Unser Labyrinth ist einfach bildschön geworden“, darin sind sich Konfirmanden und Pastorin einig. Die Mühe war es voll wert! Zu dem großen Finale in der Reihe der Gottesdienste über die Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde hatten sie ein eigenes Labyrinth gebaut.

Wochen zuvor hatte das halbe Dorf bereits Sägemehl gesammelt und angeschleppt. Eine große Wiesenfläche war regelmäßig kurz gemäht und abgeharkt worden. Ein Labyrinth- Architekt- und Baumeister war engagiert. Er entwarf die die Pläne und maß die Konstruktion aus. Mit dem Kreidewagen des örtlichen Sportvereins wurden Linien gezogen.

Am Konfirmandentag im September arbeiten die Jugendlichen die Linien des Labyrinths aus: Hand in Hand gingen die Eimer mit dem Sägemehl von der Lagerstelle bis auf den Bauplatz. Im Laufe mehrerer Stunden wuchs langsam ein rundes Gebilde mit 17 Metern Durchmesser heran. Das helle Sägemehl duftete frisch und leuchtete einladend auf der grünen Wiese. Und dann kam der feierliche Moment: Zum ersten mal konnte die Gruppe gemeinsam durch das fast fertige Labyrinth laufen. „Klappe halten“ war die Anweisung, nicht reden, jeder bei sich selber sein und ohne etwas zu machen, zu denken, zu wollen, einfach nur laufen….

Erstaunliche Erfahrungen wurden im Anschluss benannt: „Es war manchmal ganz dolle wie steil bergauf oder bergab!“ Oder: „Zwischendurch wusste ich gar nicht mehr wo wir waren!“ Oder: „Ich habe gar kein Gefühl mehr gehabt, wie lange das eigentlich gedauert hat!“

Das Labyrinth stellt Fragen auf dem Lebensweg. Es führt zur Selbsterkenntnis und gibt Orientierung. Dieses 5000 Jahre alte Symbol weiß: Es gibt nur einen Weg und du kannst dich nicht verlaufen. Du kannst nicht hinausfallen oder verloren gehen!

Das Gegenteil davon ist der Irrgarten. Hier gibt es viele Wege mit Sackgassen. Du läufst vor die Wand, entscheidest dich falsch, suchst und scheiterst immer wieder. Die Angst wächst, vielleicht niemals anzukommen….

Der Irrgarten sagt: Dieser Weg war ein überflüssiger Umweg, diese Anstrengung war Zeitverschwendung, die Mühe lächerlich und das ganze Laufen sinnlos.

Das Labyrinth sagt: Der Umweg hat dich ans Ziel gebracht, durch die Wendung hast du etwas gelernt und für die Schritte kannst du dankbar sein. Nichts anderes sagt Jesus: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Du brauchst den Weg nicht suchen oder machen. Es ist alles da. Hab Vertrauen und geh!

Am Sonntag darauf wurde das in einem großen Abschlussgottesdienst zum Element ERDE gefeiert. Rund 40 Menschen konnten mühelos gleichzeitig im Labyrinth laufen, ohne dass es eng wurde.

Dieses Erd-Zeichen LABYRINTH hat sich vielen tief eingeprägt - und jeder konnte die Erfahrung daraus mitnehmen, die für ihn oder für sie auf dem persönlichen Lebensweg dran war. Eine Frau sagt danach: „Ich musste plötzlich weinen und habe keine Ahnung warum. Ich werde wohl später nochmal gehen müssen, um es heraus zu finden…“

Ein Mann sagt: „Und ich dachte zuerst, es wäre lediglich nur ein dekoratives Element im Garten…“

Die Pastorin merkt: Das ist Gebet, dort zu laufen, und findet das  unerwartet spannend!

Der Baumeister schreibt auf einen unscheinbaren Zettel: Lass dich nicht gehen, gehe selbst.

Text: Ev. KGM Marsberg

Bilder: Monika Steingahs

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Das Erd-Labyrinth von oben.

 
 
 
 
„Du kannst nicht hinausfallen oder verloren gehen.“Ungewöhnliches Bauprojekt realisiert
 

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