22.07.2017

Luther-Legenden aufgeklärt - Andreas Malessa bringt Sauerländer zum Lachen und Nachdenken


Warstein/Marsberg/Medebach/Brilon. Ein Wochenende im Juni war im Kirchenkreis Arnsberg Zeit für Andreas Malessa. Der Autor und Fernsehjournalist beschäftigt sich seit Jahren mit Martin Luther. Humorvoll führte er dem gespannten Publikum in der Warsteiner Martin-Luther-Kirche zahlreiche Luther-Aussagen vor Augen, die in den Bereich der Legenden gehörten. „Wenn Luther seine 95 Thesen an die Kirchentür hämmerte, wieso ist nirgendwo vermerkt, dass er sich dabei auf den Daumen gehauen hat? Warf er wirklich ein Tintenfass nach dem Teufel? Floh Katharina in einem Heringsfass aus dem Kloster? Pflanzte Martin ein Apfelbäumchen?“ Alles fröhlicher Unsinn, meinte Malessa  und genoss sichtlich das ungläubige Staunen der Besucher.

„Auch das Zitat 'Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen' stamme nicht von Luther, sondern der Urheber heißt Karl Lotz und war ein hessischer Pfarrer.“

Oh, das tut weh! Wer dem Luther-Hype verfallen ist, musste sich warm anziehen: Denn Andreas Malessa räumte gewaltig mit Irrtümern auf, die um den Reformator kreisen und die im Laufe der Jahre von Generation zu Generation weitergegeben werden. Weil sie sich so schön anhören und anfühlen.

„Luther“, meinte der gebürtiger Schwabe, „schaute dem Volk aufs Maul und nahm kein Blatt vor den Mund. Er war ein Mensch mit vielen Facetten.“ Der Referent muss es wissen: Im Laufe der Jahre hat er sich durch das Leben des Reformators gearbeitet, es auf seinen Wahrheitsgehalt hin überprüft und dabei 2585 Briefe und 7000 Tischreden gelesen.

Luthers Ehefrau Katharina von Bora hatte herausragende Fähigkeiten, war intelligent und mutig, kümmerte sich um die Verwaltung in Haus und Hof und besaß ein „gutes Händchen für die Geschäfte“. „Letztlich hatte sie die Hosen an“, bemerkte Andreas Males sä, „Luther nannte sie ja oft respektvoll mein Herr Käthe.“  

Viele Redewendungen stammten von Luther: Zum Beispiel „In Sack und Asche gehen“, „die Spreu vom Weizen trennen“, „Bluthund“, „Sündenbock“, „Lästermaul“ und „Judaslohn“. Bekannt sei wohl auch sein derber Spruch: „Aus einem traurigen Arsch fährt kein fröhlicher Furz.“
Nicht Martin Luther, sondern ein gewisser Herr Wulfila. hat als erster die Bibel ins Deutsche übersetzt. Der lebte zwischen 311 und 383 n. Chr. im heutigen Nordbulgarien und gehörte zum Volk der Goten. Zu Luthers Zeiten lagen bereits 72 deutschsprachige Teilübersetzungen vor

Diese und noch mehr Luther-Irrtümer klärte Malessa in Warstein, Marsberg und Medebach vor Publikum auf. In Marsberg sprach er statt von einem Pult aus einer Tonne. In Brilon erfreute er eine gespannte Gemeinde in voller Kirche mit einer Predigt über Gericht und Gnade. Er schaffte es sogar, spontan die zahlreichen Konfirmanden anzusprechen, die an diesem Sonntag mit in der Kirche saßen. Dorothea Richter


Auch er musste lachen - Andreas Malessa in Warstein. Bild: Dorothea Richter

 
 
 
 
Luther-Legenden aufgeklärt - Andreas Malessa bringt Sauerländer zum Lachen und Nachdenken
 

Kirchenkreis Arnsberg - Impressum