24.12.2013

Eine Herberge in Meschede gefunden - Therapie und Sprachunterricht eröffnen syrischer Flüchtlingsfamilie Hoffnung.


Als am 10. Dezember in Oslo die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen den Friedensnobelpreis erhält, leben Imad Moustafa (33) und Sana Ali (25) mit ihren Kindern Hilin (6) und Yousef (5) schon zweieinhalb Monate in Meschede. Am 29. September, wenige Wochen bevor die Chemiewaffenkontrolleure ihre Arbeit in Syrien aufnahmen,  kamen sie hier an. Sie gehören zu den 5000 syrischen Flüchtlingen aus dem Libanon, deren Aufnahme Deutschland zunächst zugesichert hatte. Inzwischen wurde das Kontingent auf 10 000 erhöht. Mitgebracht hat die Familie wenig:  Einen silbernen Zuckerlöffel von ihrer Mutter, ein Teeglas mit arabischer Inschrift und viele Fotos von ihrer Hochzeit vor acht Jahren hat Sana im Fluchtgepäck gehabt. 15 Monate musste die Familie im Libanon ein Visum für Deutschland beantragen. Bekommen haben sie es, weil Yousef behindert ist. Er kann nur auf Zehenspitzen laufen und seine rechte Hand eingeschränkt bewegen. Im Libanon bekam er zwar Physiotherapie, aber die Ursache seiner Behinderung wurde nicht diagnostiziert.

„Heute fühlen wir uns wohl“, sagt Imad Moustafa am 10. Dezember, „weil hier für Yousef etwas getan wird und wir sicher sind.“ Seine Frau und er sind froh, mitten in Meschede in einer geräumigen Wohnung zu leben. Von den Hartz-IV- Leistungen können sie ihren Lebensunterhalt bezahlen. Die Stadt und die Flüchtlingsberatungsstelle der Diakonie Ruhr-Hellweg begleiten sie. Im Krankenhaus in Unna-Königsborn wird demnächst ein arabisch sprechender Arzt Yousef untersuchen.

Eifrig krabbelt der kleine Junge durchs Zimmer. Seine dunkelbraunen Augen leuchten. Begeistert spricht er deutsche Wörter nach. Auf Zehenspitzen rennt er über den weichen Teppich, geht auf die Knie und lässt ein Spielzeugauto rollen. Seine Schwester Hilin geht in die erste Klasse der Regebogenschule. Nach zwei Monaten hat sie sich dort eingelebt, lernt deutsche Sprache und deutsche Schrift und isst mit Begeisterung ihr mit Nutella beschmiertes Pausenbrot. Mit Yousef redet sie nachmittags deutsch, damit er schon Wörter kennt, wenn er demnächst einen Integrationsplatz im Ev. Johannes Kindergarten bekommt.

Dann werden auch die Eltern Zeit haben, fünfmal in der Woche am Integrationskurs teilzunehmen. Die Sprache zu lernen, „das ist das Wichtigste für einen Flüchtling“, erklärt Sana. Im Moment kann sie nur mit anderen Syrern sprechen oder ist darauf angewiesen, dass Rania Avanes von der Flüchtlingsberatungsstelle dolmetscht. Während Sana spricht, blitzen ihre Augen auf und ihre Hände reden mit: „Die deutsche Sprache brauchen wir, um die Menschen hier kennenzulernen und um Arbeit zu finden.“

Bild:Imad Moustafa und Sana Ali mit Yousef. Die Familie wird von Rania Avanes (links) und Annegret Rasch von der Flüchtlingsberatung unterstützt.


In der Mitte:Imad Moustafa und Sana Ali mit Yousef.

 
 
 
 
Eine Herberge in Meschede gefunden - Therapie und Sprachunterricht eröffnen syrischer Flüchtlingsfamilie Hoffnung.
 

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