20.10.2015

Flüchtlinge als Querschnittsthema - Diakonie-Mitarbeitende erweitern Fachwissen


Hamm (drh) – Flucht ist ein Schicksal, das mit der Ankunft in einer Flüchtlingsunterkunft nicht aufhört. Menschen, die oft monate- oder gar jahrelang auf der Flucht waren und die nicht selten Gewalt, Verfolgung, Hunger, Kälte und Erniedrigung erfahren haben, kommen nicht einfach an. Um sich in einem neuen Land sicher zu fühlen und Fuß zu fassen, wird umfangreiche Unterstützung notwendig sein. Hierzu tagte jetzt die Diakonie Ruhr-Hellweg im Caldenhof bei Hamm.

Die Diakonie stellt sich auf langfristige und spezialisierte Hilfen für Menschen mit Fluchterfahrung ein. Schon jetzt begleiten Diakonie-Mitarbeitende Betroffene nicht nur in der klassischen Flüchtlingsberatung, sondern auch im Rahmen verschiedenster weiterer Angebote. Mitarbeitende der Diakonie übernehmen gesetzliche Betreuungen und Vormundschaften, beraten Erwachsene zu familiären Themen und fördern die Integration von Kindern und Jugendlichen.

In der jüngsten Tagung bündelte die Diakonie Ruhr-Hellweg die drängendsten Fragen der diakonischen Arbeit rund um Flüchtlinge. Im Mittelpunkt standen dabei unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

„Jugendliche Flüchtlinge, die ohne Eltern oder sonstige erwachsene Angehörige nach Deutschland kommen, können gemäß der UN-Kinderrechtskonvention gleiche Rechte für sich in Anspruch nehmen wie Kinder, die in Deutschland geboren sind“, kommentiert Christian Korte, Initiator der Tagung. „Ihnen wird ein Vormund zur Seite gestellt, der für ihre Rechte einsteht.  Er trägt Sorge für ein geschütztes Zuhause, ein gesundes Großwerden und ein Umfeld, in dem es sich gut leben und lernen lässt.“

Bereits rund 70 Vormundschaften bestehen bei der Diakonie Ruhr-Hellweg für junge Flüchtlinge. Die Vormünder vertieften nun ihre Fachkenntnisse im Bereich des Asyl- und Aufenthaltsrechtes, rund um Sozialleistungen, Bildungsmöglichkeiten, Integration und dem Zugang zum Arbeitsmarkt.

Die fachliche Leitung der Tagung lag bei Heinz Drucks. Der Leiter der Flüchtlingsberatung der Diakonie engagiert sich seit über 20 Jahren für die Rechte von Flüchtlingen, ist im Vorstand des NRW-Flüchtlingsrates aktiv und Lehrbeauftragter an der Evangelischen Fachhochschule Bochum.

Drucks informierte auch über Fluchtursachen und die oft traumatisierenden Umstände der Flucht. „In einigen Regionen werden Menschen auf der Flucht entführt und die Angehörigen erpresst“, so Drucks. „Der Preis für die Freilassung ist hoch und besteht manchmal sogar in der Entnahme eines Organs.“ Dies sei insbesondere bei Flüchtlingen aus Eritrea der Fall.

„Diese Menschen brauchen erst einmal Sicherheit“, betonte Heinz Drucks. Er plädierte für große Sorgfalt und Engagement bei der Betreuung der ankommenden Menschen: „Eine gute Integration fördert nicht nur ein gelingendes Miteinander im Land, sondern erhöht auch die Aussichten auf die Gewährung von Asyl.“ Drucks betonte außerdem: „Das Asylverfahren ist kompliziert. Jeder Schritt muss wohl überlegt sein. Es lohnt sich daher immer, Rat einzuholen.“

„Wir betrachten die Flüchtlingsthematik als Querschnittsaufgabe“, betonte Christian Korte. So biete die Familienbildung in Hamm ehrenamtliche Deutschkurse, der Betreuungsverein begleitet psychisch erkrankte Flüchtlinge und die Dienstleistungsagentur „Nettwerker“ in Unna bietet Unterstützung rund um den Erwerb von Alltagskompetenzen an. „Wir möchten alle Arbeitsbereiche sensibilisieren für die besonderen Anforderungen der Arbeit mit Flüchtlingen. In weiteren Schritten planen wir gezielte Angebote und Maßnahmen, um die immer größere Vielfalt in unserer Gesellschaft zu gestalten.“

Text und Bilder: Christine Hinrichs

 


 
 
 
 
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