16.06.2015

Einpacken – ausziehen – abschließen - Mit Abendmahlsgottesdienst nehmen Langscheider Abschied von Markuskirche.


Am zweiten Juni-Sonntag wurde die Markuskirche in Langscheid, 50 Jahre nach ihrer Erbauung, entwidmet. Im Februar hatte das Presbyterium die Freigabe der Kirche für andere Nutzungen beantragt. Die formalen Beschlüsse wurden im Gottesdienst verlesen. Zuvor hatten Superintendent Alfred Hammer und Pfarrer Martin Vogt deutlich gemacht: Sie verstehen die Trauer der Langscheider. In der Kirche hätten sie Schönes und Trauriges an Sonn-und Feiertage gefeiert, Kinder getauft und konfirmiert, Ehepaare getraut und Trauerfeier gehalten. Wenige  Plätze in der Kirche blieben frei.  „Denn“, so Martin Vogt, „einige Gemeindeglieder wollten sich  diesen Abschiedsgottesdienst nicht zumuten.“ Andere hingegen waren zwar traurig, aber: „Ich habe nun erlebt, wie eine Entwidmung abläuft. Ich habe diesen wichtigen Moment nicht verpasst“, sagte eine Konfirmandenmutter,  gebürtige Langscheiderin, die heute in Sundern wohnt. Auch ihr Sohn ist dabei, „ damit er erlebt, wie eine Kirche entwidmet wird.“  Als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Gegenstände aus dem Altarraum in einer Prozession  zum Auto trugen, habe sie das an eine Trauerfeier erinnert. Diese Zeichen für Gottes Gegenwart werden in der Lukaskirche einen Platz finden.


Abschied seit 2013
Im Kirchenkreis Arnsberg ist die Langscheider Kirche die achte entwidmete Kirche. Vor  zwei Jahren hatte das Presbyterium dies entschieden,  um gegen das strukturelle Finanzdefizit anzugehen. Damals kündigte Pfarrer Jochen Prunzel  seinen Weggang an. Martin Vogt las im Gottesdienst einen Brief von Jochen Prunzel vor: „Nur wenn wir aufbrechen und neue Herausforderungen annehmen, entdecken wir neue Möglichkeiten“, schrieb der Pfarrer, der vorgemacht hat, wie man vertrauensvoll  Abschied nehmen und Neues beginnen kann.

Trauerarbeit
Die meisten Langscheider sind im Moment noch so traurig, dass sie noch nicht an Neues denken können, was während des  Abschieds schon wächst. Martin Vogt verglich die Situation mit der der Israeliten, die vor 2500 Jahren nach Babylon verschleppt wurden. Sie verloren Tempel und Heimat, begegneten aber Gott in der Fremde neu. Im Vertrauen auf diese Glaubenserfahrung leitete Martin Vogt die Gemeinde an, nach Gebet über Kreuz, Bibel, Taufschale,  Altarschmuck und Abendmahls­gerät Gott anzurufen: „Bleib in unserer Mitte und geh mit uns mit.“

Übergänge schaffen
Beim Kaffeetrinken erinnerten sich die Gemeindeglieder an  Ereignisse in und an der Kirche. Zwei Frauen, die in Langscheid aufgewachsen sind, schwärmten von Gemeindefesten mit vielen Kinder­spielen, erinnerten sich an ihren Konfirmandenunterricht und die Prüfung im kleinen Raum hinter der Orgel, den es seit dem Umbau des Gemeindesaals nicht mehr gibt. Sehr traurig sind Lothar(82) und Irmtraud Bothe (75): Für alte Menschen ohne Auto werde es schwierig, nach Sundern in die Kirche zu kommen. Doch: „In der Frauenhilfe haben sich Fahrgemeinschaften gebildet, aber es bleiben auch Frauen aus der Langscheider Frauenhilfe weg.“  Sich nun der Sunderner Frauenhilfe anzuschließen, sei ein Stück Arbeit. Irmtraud Bothe wird sie mit den anderen Frauen annehmen. Sie hat schon andere Abschiede erlebt. Als ihre Vorgängerin in der Frauenhilfe starb, hat sie zusammen mit anderen die Gruppenleitung übernommen. “Leicht war es nicht, aber wir haben es geschafft“, erinnert sie sich.
Was aus der Markuskirche wird, wird das Presbyterium in der nächsten Zeit beschließen.
KKB


v.l.: Markus Vogt, Alfred Hammer und Presybter

Letzte Abendmahlsfeier in der Markuskirche

Gemeindeglieder nehmen die Gegenstände aus dem Altarraum in Empfang...

...und tragen sie zum Auto, das sie in die Lukaskirche transportiert. Bilder: KKB

 
 
 
 
Einpacken – ausziehen – abschließen - Mit Abendmahlsgottesdienst nehmen Langscheider Abschied von Markuskirche.
 

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