26.03.2015

Vielfältiges Leben in Landeseinrichtung für Flüchtlinge in Wimbern - Arbeitskreis Kirche-Wirtschaft auf Besichtigungstour


Über 20 Personen aus den Kirchenkreisen Arnsberg, Hamm, und Unna folgten Ende März der Einladung des kirchenkreisübergreifenden Arbeitskreises Kirche/Wirtschaft des Unternehmensverbands Westfalen Mitte in die Zentrale Unterkunft für Asylbewerber im ehemaligen Marienkrankenhaus in Wimmern.

Krankenhaus eignet sich als Unterkunft
Christoph Söbbeler und Doris Christoph von der Bezirksregierung Arnsberg und Kai Jatzenko als Leiter der Einrichtung begrüßten sie. Die Bezirksregierung hat vor einem Jahr das ehemalige Krankenhaus zu einer zentralen Unterkunft für 600 Menschen umgebaut. Für die Betreuung sind die Malteser zuständig. Siebzig Menschen arbeiten in Schichten im Haus: an der Rezeption, wo die Flüchtlinge begrüßt und registriert werden, wo sie sich für Mahlzeiten anmelden und wo die Listen für die Waschmaschinen-Nutzung ausliegen. Es gibt Erzieherinnen, Krankenschwestern, Sozialpädagogen und –arbeiter und viele, die arabisch, chinesisch, türkisch und andere Sprachen sprechen. Söbbeler und Jatzenko führten die Besucher durch das Haus, „damit Sie sehen, was in einer solchen Einrichtung geschieht.“
Das ehemalige Krankenhaus sei gut für die Unterbringung geeignet, meint Jatzenko. Es gibt hier Schlafräume mit Dusche und Klo, es gibt Behandlungsräume für die Gesundheitsstation, eine Kantine, geeignete Räume für den Freizeitbereich und ein ansprechendes Außengelände mit einem viel benutzten Kinderspielplatz. Es wird Wert darauf gelegt, die Ankommenden in Familien-, Flüchtlingsgruppen und geordnet nach Nationalitäten auf die Zimmer zu verteilen.

Die Flure und Räume im Krankenhaus wirken benutzt aber sehr hell. An den Wänden hängen Plakate, die auf Kindergarten, Restaurant, Waschmaschinen und Kleiderkammer hinweisen und zum Zumba Tanzen einladen. Die meisten Zimmer haben Balkons, bei gutem Wetter stehen dort viele Männer und Frauen, rauchen und sprechen miteinander.

Kurze Aufenthalte notwendig
Für die Asylsuchenden ist Wickede eine von 40 Landeseinrichtungen in NRW. Sie kommen von den zentralen Aufnahmestationen in Dortmund, Bielefeld oder Unna aus hierher. Die 0-70-Jahre alten Menschen bekommen erste Termine am Bundesamt für Flüchtlinge und Migration und warten darauf,  in eine der 390 NRW-Kommunen geschickt zu werden. Diese Verteilung geschieht nach einem objektiven Schlüssel. „Minderjährige Kinder werden zu ihren Eltern, Ehefrauen – oder Männer zu ihren Partnern geschickt“, erklärt Doris Christoph. Ansonsten können individuelle Wünsche kaum berücksichtigt werden. Dazu ist die Zahl der Flüchtlinge zu hoch. Sie bleiben nur noch zwei Wochen in Wimbern. „Eigentlich ist dazu kurz, um sie auf das Leben hier richtig vorzubereiten“, sagt Jatzenko, aber die hohe Zahl der Flüchtlinge erfordere hohe Durchsätze.

Kamen 2013 noch 13.000 Flüchtlinge nach NRW, waren es 2014 40.000 Zugänge und für dieses Jahr schätzt Söbbeler die Zahl auf 60. 000. Die Bezirksregierung Arnsberg ist für Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge in ganz NRW zuständig. „Die Flüchtlinge, die bei uns ankommen, gehören zur gebildeten und gut situierten Bevölkerung in ihren Heimatländern. Sonst könnten sie sich Schlepper nicht leisten.“ Die meisten wollen liebend gerne wieder in ihre Heimat zurück, meint Doris Christopher. Für Peter Hammer vom Unternehmensverband Westfalen Mitte steht fest, dass die heimische Wirtschaft angesichts des Demografiewandels früher oder später angewiesen ist auf in die Gesellschaft integrierte Migranten.

Hohe Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung
In der Diskussion wurde deutlich: Viele Wickeder helfen den Flüchtlingen. Der Stadt Wickede bringen die Flüchtlinge, die Taschengeld bekommen, zusätzliche Wirtschaftskraft und 70 Arbeitsplätze. Manche Wickeder beschweren sich über Verunreinigungen und wenige Ladendiebstähle.  Rechtsradikale Übergriffe hat es nicht gegeben, trotzdem wird ein Zaun um das Gelände bald fertiggestellt sein. „Der  Brandschutz macht es nötig zu wissen, wer sich im Haus aufhält“, so Doris Christoph. Außerdem schützt der Zaun die Kinder; auch viele Erwachsene fühlten sich sicherer. „Natürlich gibt es auch Kritik an dem Zaun“, sagt Söbbeler. Zum Thema Kritik ist ihm aufgefallen, dass im konkreten Fall auch die kritischsten Menschen die Flüchtlinge praktisch unterstützen. Es ist ihm anzumerken, dass er als Sprecher der Behörde, die die Unterbringung der Flüchtlinge verwaltet, von der Situation der Menschen betroffen ist. „Leider müssen wir manchmal Knall auf Fall handeln und haben keine lange  Vorbereitungszeit.“ Flucht kann nicht geplant werden, sondern fordert Fliehende und Aufnehmende spontan und kurzfristig  heraus.

Für die Organisatoren dankten Peter Hammer und Peter Sinn, Diakoniepfarrer aus Arnsberg, den Gastgebern herzlich für die „Einblicke, die wir bekommen haben. Jetzt können wir uns vorstellen, wie das Leben hier abläuft“, sagte Hammer. Sinn überreichte allen Gastgebern einen Schutzengel mit dem Wunsch: „Bleiben Sie behütet in Ihrer Arbeit.“


Die Besuchergruppe mit Christoph Söbbeler, Doris Christoph, Kai Jatzenko und weiteren Maltesern vor der Eingangstür der Zentraleinrichtung für Flüchtlinge in Wimbern.

Ein Bett, Bettwäsche, Hygieneartikel, und ein Handtuch bekommen die Flüchtlinge als erstes in ihrer Unterkunft überreicht. BIlder: KKB

 
 
 
 
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