29.01.2015

Ein toller Typ, auf den man sich verlassen kann - Abschied von Pfarrer Jochen Prunzel in Sundern-Langscheid


Sundern-Langscheid. Dreißig Minuten vor dem Abschiedsgottesdienst für Jochen Prunzel am letzten Januarsonntag in der Markuskirche in Langscheid strömen die Menschen zur Kirchentür. Sie alle wollen dabei sein, wenn der beliebte Pfarrer nach über 20 Dienstjahren am Sorpesee seine letzte Predigt hält. „Jochen Prunzel ist ein feiner Kerl“, sagt Horst Kriegel aus Sundern, „er predigt einmalig aus dem Stegreif und macht Musik mit seiner Gitarre - da kann man in die Kirche gehen.“ Annegret Kaiser aus Hachen ergänzt: „Er war immer für uns da, man konnte ihn immer ansprechen“. Sie schätzt besonders seine positive Ausstrahlung. Und Fiona Siebeck, die Jochen Prunzel vor zwei Jahren konfirmiert hat, erinnert sich an den gut gestalteten Konfirmandenunterricht. „Er hat Pausen zur rechten Zeit gemacht und uns Filme gezeigt, die zum Thema passten.“

Erika Schmalenbach, ehemalige Presbyterin und Küsterin in der Markuskirche, sieht die Menschen in die Kirche strömen: „Da geht einem richtig das Herz auf, aber wenn man weiter denkt, nicht.“ Sie spricht die zwei Stimmungen aus, die an diesem Sonntag im Gottesdienst aufgenommen werden. Martin Vogt, der Kollege von Jochen Prunzel, der ab 1. Februar der einzige evangelische Pfarrer in Sundern und den dazugehörigen Ortsteilen ist, benennt die zwiespältigen Gefühle: „Wir sind traurig, weil einer geht, mit dem wir lange intensiv zusammengearbeitet haben. Wir sind aber auch dankbar für all das, was gemeinsam geschaffen wurde.“

Viele bewegt die Frage: Wie wird es weitergehen, wenn die Markuskirche demnächst geschlossen wird? Jochen Prunzel ging auf die Zukunftssorgen ein. Er predigte - wie gewohnt frei, mit ansprechender Gestik und mit kräftiger Stimme - über die Jünger, die mit Jesus auf einen Berg steigen, wo ihnen Mose und Elia begegnen. Bei diesen Kronzeugen für Wahrung der Tradition fühlen sie sich zu Hause und wollen dort drei Hütten bauen. Aber Jesus sagt: „Baut keine Hütten!“ Jochen Prunzel forderte von der Gemeinde, nicht verklärend zurück zu schauen, sondern mit Mut, Glauben und Zuversicht weiterzugehen. „Tradition“, so sagt er, „ist nicht das Bewahren der Asche sondern das Weiterleiten des Feuers. Also nicht: Hütten bauen, die das Alte bewahren, sondern neue Wege wagen“. Christen, das sind in seinen Augen „Menschen die weitergehen und sich Neues trauen“.

So wie er, der den Weg vom Sauerland ins Oldenburgische Land gewagt hat. Er wird dort Pfarrer in der Gemeinde Friesoythe-Sedelberg-Bösel. In Langscheid sei er nach seinen Ausbildungsjahren in Warstein, als Theologe und Pfarrer erwachsen geworden. „Ihr habt mich getragen in schweren Zeiten und euch mir anvertraut.“ Dafür dankte er allen.

Superintendent Alfred Hammer nannte Jochen Prunzel  einen „berufenen Rufer, der in der Gemeinde Gott ins Spiel gebracht und andere ermutigt habe, die gute Nachricht weiterzusagen“. Hammer, der Kollege Vogt und die Langscheider Presbyter gaben Jochen Prunzel Segensworte für die Zukunft mit.
Der Vorsitzende des Presbyteriums Roland Harpeng, Jürgen ter Braak als Vertreter der Stadt Sundern, Ortsvorsteher Michael Pellmann, Pfarrer Michael Schmitt für die katholische Kirche und ein Vertreter der Feuerwehr dankten Jochen Prunzel für sein segensreichen Wirken in der kirchlichen und politischen Gemeinde. Das Team des Lukas-Familienzentrums fasste alles zusammen in der Aussage: „Du, Jochen, bist ein toller Typ“.

Musikalisch mitgestaltet wurde der Festgottesdienst vom gemischten Chor Cantando aus Sundern, vom Frauensingekreis und dem Kinderchor der St.Antonius-Grundschule.

KKB


Presbyter segnen ihren Pfarrer zum Abschied.

Der Vorsitzende des Presbyteriums Roland Harpeng überreicht Jochen Prunzel ein Abschiedsgeschenk.

Die Kinder der St.Antonius-Grundschule überreichen ein Ruhekissen mit einer Liebeserklärung. Bilder: KKB

 
 
 
 
Ein toller Typ, auf den man sich verlassen kann - Abschied von Pfarrer Jochen Prunzel in Sundern-Langscheid
 

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