28.01.2015

Ein alter Trecker als Brunnen für Visionen-Ökumenischer Neujahrsempfang in Marsberg


Marsberg. Visionen standen neben dem offiziellen Thema der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen „Gib mir zu trinken“ im Mittelpunkt des Ökumenischen Neujahrsempfangs in Marsberg. Traditionell wird dazu am letzten Sonntag im Januar eingeladen. Die Zukunft der Kirchen und ihre eigenen Visionen dazu, damit beschäftigte sich Pfarrerin Kathrin Günther in ihrer Predigt im Ökumenischen Gottesdienst in der Propsteikirche. Sie erzählte, dass sie die Gespräche über immer weniger Gemeindemitglieder und damit verbunden immer weniger Pfarrern sowie immer weniger Kirchen zuerst sehr niedergeschlagen gemacht hätten. Doch dann habe sie ihre eigene Art gefunden, damit umzugehen. Ein alter Trecker habe sie darauf gebracht. Eigentlich hatte sie ihn gekauft, um einen Acker zu pflügen, auf dem sie dann Blumen pflanzen wollte, die für ihre Bienen nützlich sind. Warum sollte man nicht, so dachte sie sich, wenn es die jetzige Kirche nicht mehr geben sollte, einfach eine neue schaffen. Sie malte sich aus, dass man nach dem Pflügen ja auch Kartoffeln oder anderes anpflanzen könnte. Erntefeste würden die Menschen zusammenbringen, man könnte sich statt in Kirchen in Wohnzimmern oder Scheunen treffen. Voller Hoffnung stellte sie fest, dass sie schließlich weiterhin da sei, die Menschen auch und natürlich Gott. All das machte ihr so viel Hoffnung, diese Vision habe ihr die Angst vor der Zukunft genommen. Sie wünschte allen, dass auch sie einen solchen Brunnen für Visionen finden, wie es für sie der Trecker gewesen sei.

Beim anschließenden Neujahrsempfang berichtete dann Marsbergs Bürgermeister Klaus Hülsenbeck von seinen Visionen für die Stadt. Besonders hob er hervor, dass seine Vision sei, dass die Marsberger selbst endlich die Vorteile ihrer Stadt, die reichlich vorhanden seien, nach außen tragen würden. Marsberg habe beste Standortfaktoren: eine gute Verkehrsanbindung, eine niedrige Arbeitslosenquote und eine wunderschöne Landschaft, um nur einige zu nennen. Immer wieder geschehe es, dass er bei Gesprächen außerhalb von Marsberg trotzdem erst einmal erklären müsse, wo die Stadt überhaupt sei. Daran müsse man arbeiten, vor allem die Marsberger selbst. Besonders freut sich der Bürgermeister darüber, dass das Zusammenleben mit den Flüchtlingen in Marsberg seit dem Brand im Übergangsheim für Asylbewerber im September 2014 beispielhaft sei. Entstanden sei dies auf Initiative der beiden Kirchengemeinden schon in der Nacht des Brandes, als die Asylbewerber in eine ehemalige Schule in der Innenstadt umzogen. Rund 40 Ehrenamtliche engagieren sich inzwischen für die Asylbewerber und sorgen dafür, dass die Menschen sich hier willkommen fühlen. Die Flüchtlinge werden nicht nur bei Behördengängen und Arztbesuchen unterstützt, beim gemeinsamen Kochen und anderen Unternehmungen sind bereits Freundschaften entstanden.

Auf die Frage, was denn seine Vision für die Marsberger Kirchen sei, antwortete er, er mache sich da nicht viele Sorgen. Schon jetzt lebe man hier die Ökumene beispielhaft. Die Personen, die in beiden Kirchen Verantwortung tragen würden, sorgten für ein sehr gutes Miteinander. Und so sei nicht nur das jeweilige Gemeindeleben lebendig, sondern auch das gemeinsame. Wie zum Beweis platzte die Alte Propstei in Marsberg beim vom Ökumenekreis organisierten Empfang fast aus allen Nähten, jeder Sitzplatz war besetzt.

Text und Bilder: Bettina Mander


Superintendent Alfred Hammer, Gemeindereferent Manuel Kenter, Bürgermeister Klaus Hülsenbeck, Pfarrer Markus Pape, der Vorsitzende des Ökumenekreises Klaus Dropmann, Pastor Christian Elbracht und Pfarrerin Kathrin Günther (von links).

Bürgermeister Klaus Hülsenbeck bei seinem Vortrag, unter den Gästen waren auch einige der Asylbewerber, überwiegend aus Eritrea.

 
 
 
 
Ein alter Trecker als Brunnen für Visionen-Ökumenischer Neujahrsempfang in Marsberg
 

Kirchenkreis Arnsberg - Impressum