11.11.2014

Mit O-Tönen an den Mauerfall erinnern - Lockererer Gottesdienst am 9. November in Sundern


Kitty Gröne weiß 25 Jahre nach dem Fall der Mauer, wo ihre Heimat und wo sie zu Hause ist. „Ich bin froh, dass ich das heute unterscheiden kann: Meine Heimat liegt in einem Dorf bei Chemnitz. Zu Hause bin ich in Sundern“. Dies ist sie  auch in der Ev. Kirchengemeinde. Seit  Anfang 2014 ist sie Presbyterin. Geboren wurde sie 1970 und sie erinnert sich noch ganz genau: Am Tag der Maueröffnung war sie auf einer Klassenfahrt. Abends ging sie wie jeden Donnerstag in die Kirche. „Hier hatten wir einen ruhigen Raum. Konnten uns und unsere Gedanken ordnen.“  Wieder zu Hause erfuhr sie von den Ereignissen in Berlin. Am Tag drauf fuhr sie dahin und schlug später mit einem Pickel kleine Stückchen aus dem festen Beton. Diese Mauerstückchen verwahrt sie bis heute  in einer Vitrine.

Ihre Mann Matthias Gröne war 1989 Student an einer Fachhochschule in Bochum. „Donnerstags ging ich immer mit Freunden raus. Vom Mauerfall hörte ich erst spät. Ich bin aufgewachsen mit der Mauer. Sie war für mich selbstverständlich. Mit den Menschen in der DDR hatte ich immer ein bisschen Mitleid.“ Kitty Gröne: „Auf uns Ossis guckten die Westdeutschen herab. Als ich 1990 die erste ostdeutsche Studentin an der Fachhochschule in Bochum  wurde, habe ich das gespürt. Erst als die anderen merkten, dass ich schneller als sie sehr gute Ergebnisse vorweisen konnte, merkten sie: Die kann ja auch was.“

Den Gottesdienst zum Mauerfall in der Lukaskirche haben Kitty und ihr Mann mit vielen Gefühlen mitgefeiert. Pfarrer Martin Vogt spielte Originalmitschnitte aus Radio- und Fernsehsendungen vom 9. November 1989 ab. „Da krieg ich heute noch Gänsehaut“, sagt Kitty Gröne, „wenn ich mich erinnere, was für ein Wunder das war, dass damals niemand die Nerven verlor und geschossen hat.“ Pfarrer Martin Vogt deutet dies als Segen Gottes, der auf dem Tag lag. Mit der Gemeinde zusammen las er Psalm 18 und zog daraus die Ermutigung:  „Gott kümmert sich nicht darum, ob wir etwas für möglich halten oder nicht. Er kann auch Dinge verändern, wo wir nur staunen. Er hilft uns, über Mauern zu springen oder sie zu überwinden.“ So hat Gottes Geist die Menschen damals ermutigt, sich mit friedlichen Mitteln für Rede- und Reisefreiheit einzusetzen.

Mit zuversichtlichen  Liedern, vom Pfarrer auf der Gitarre und dem Klavier begleitet, und einer Bildbetrachtung forderte Vogt die Gemeinde auf, politische, zwischenmenschliche und ganz private Mauern zu überspringen. Denn: „ Nichts muss so bleiben, wie es ist.“  Zum Abschluss des Gottesdienstes setzte sich der Katechumene  Nils ans Klavier. Der Sohn der gesamtdeutschen Familie Gröne spielte den Liebestraum Nr. 3 von Franz Liszt.

KKB


Kitty Grönes Mauerstückchen.

Pfr. Martin Vogt singt mit der Gemeinde.

Material im lockereren Gottesdienst: Radio, Noten, Postkarten. Bilder: KKB

 
 
 
 
Mit O-Tönen  an den Mauerfall erinnern - Lockererer Gottesdienst am 9. November in Sundern
 

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