31.10.2014

Wie Sand im Getriebe der Welt - Ungewohnte Klänge beim Vorabendkonzert der Briloner Jazznacht in der Stadtkirche


Vor  80 Jahren setzte die Barmer Theologische Erklärung Zeichen des kirchlichen Widerstands gegen den Nationalsozialismus, vor 50 Jahre wurde der zivile Ungehorsam Martin Luther Kings mit dem Friedensnobelpreis geehrt, vor 25 Jahren erreichte der friedliche Widerstand in der DDR  den Mauerfall. Anlässe für die Evangelische Kirche in Deutschland, in diesem Jahr die Jazz-Veranstaltungsreihe „In Spirit“ in ganz Deutschland auszurichten. Eins der 68 Konzerte mit dem Thema „Widerstehen“ veranstaltete Brilon Wirtschaft und Tourismus am Vorabend der 19. Brilon Jazznacht in der Ev. Stadtkirche mit dem Jazz-Trio Waves. Das sind die Sängerin Efrat Alony, der Saxophonist Uwe Steinmetz und der Organist David Stickan. Ihr musikalischer Anspruch: Experimentell Kirchenmusik und Jazz zu verbinden. Die Briloner Stadtkirche füllten die drei mit unerhörten Klängen. Dass die Mauern der Kirche nicht zusammenfielen, war ein kleines Wunder – so empfand es eine Zuhörerin und staunte: „In der kühlen Kirche strömte die  Musik wärmend durch meinen Körper.“

Pfarrer Rainer Müller las Texte von Hanns Dieter Hüsch, Günter Eich und Erich Fried als Echo auf die Musik: „Tut das Unnütze, singt die Lieder, die man aus eurem Mund nicht erwartet! Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!“  Diese Aufforderung aus Günter Eichs Gedicht „Wacht auf!“ deutete das aufrüttelnde, für manche ungewohnte musikalische Programm aus selbst komponierten Stücken der Künstler und ihren eigenen Neuinterpretationen traditioneller Lieder.
Widerstand braucht langen Atem, Gesang, Orgel und Saxophon brauchen Atem, um Klänge zu produzieren, die stehenbleiben, die aufstehen, wie eine Windsäule gegen den Wüstensturm. Die gewaltige, warme und gleich wieder zarte Stimme von Efrat Alony, der durchdringende und virtuose Klang von Steinmetz‘ Saxophon und die mal spielerisch-tanzenden, mal das Fundament bildenden Töne und Akkorde von Stickan an der Orgel brachten frischen Wind in die Stadtkirche. Leider vor kleinem Publikum. „Ich wünsche mir mehr Zuhörer für diese Musik, die anrührt und darum vielleicht anstrengend ist“, so Rainer Müller. „Deshalb freue ich mich, dass die drei Künstler am Sonntag im Gottesdienst mit den Konfirmanden noch einmal vor der großen Gemeinde musiziert haben.“

KKB


Bilder. KKB

 
 
 
 
Wie Sand im Getriebe der Welt -  Ungewohnte Klänge beim Vorabendkonzert der Briloner Jazznacht in der Stadtkirche
 

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