31.01.2014

Den Bruder im Gesicht eines Menschen erkennen-Ökumenischer Neujahrsempfang in Marsberg


Marsberg. „In unserem  Gemeindehaus der Evangelischen Kirche und  in der Alten Propstei müssten wir für diese Veranstaltung eigentlich anbauen“, begrüßte Pfarrer Markus Pape die Gäste beim  ökumenischen Neujahrsempfang nach dem ökumenischen Gottesdienst. Superintendent Alfred Hammer und Propst Norbert Schröer hatten ihn gemeinsam zur Frage „Ist denn Christus zerteilt?“ gefeiert.
Im Gemeindehaus  gab es neben persönlichen Begegnungen ein spannendes Impulsreferat des Kamener  Pastors Meinolf Wacker. Das Leitwort des diesjährigen Neujahrsempfangs  „Der Fremde, der sich bei euch aufhält soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben, wie dich selbst“, aus dem 3. Buch Mose hat er verinnerlicht und betreut in Zeiten, in denen immer mehr Flüchtlinge aus Krisengebieten  in Deutschland Schutz suchen, in Kamen ein ganz besonderes Projekt. Nach dem intensiven Kontakt zu einer syrischen Flüchtlingsfamilie öffnete sich für ihn eine neue bunte Welt. Mit Firmbewerbern organisierte er 2009 die erste Menschenkette für den Frieden in der Stadt. Die Glocken aller evangelischen und katholischen Kirchen läuteten um 20 Uhr und für eine Minute stand sämtliches Leben in der Stadt still. Damals entsandt EnTrA, der EngagiertenTreffAsyl. Inzwischen hat sich daraus ein Netzwerk zur Unterstützung der Fremden entwickelt. Heute informiert  die Stadt den Pastor, welche Neuankömmlinge es gibt und was man für sie tun kann.

Auch die Kamener Gynäkologin Dr. Petra Blanke unterstützt diese Arbeit. Das Wichtigste für die Menschen sei, dass man einfach da ist. Ihnen zuhört, ihr Leid er- und mitträgt. Sie hat einen Handarbeitskreis ins Leben gerufen. „Die  Flüchtlingsfrauen haben erstaunliche Fähigkeiten auf diesem Gebiet“, sagt sie.

Der stellvertretende Marsberger Bürgermeister Johannes Wüllner stellte in seinem Grußwort den Bezug zur Stadt her. Hier gibt es zurzeit rund 66 Asylbewerber aus 16 Nationen, 33 davon sind im vergangenen Jahr gekommen. Aufgrund der aktuellen Krisengebiete in der Welt ist damit zu rechnen, dass weitere kommen werden. Dass auch im Marsberger Asylantenheim eine bunte Vielfalt herrscht, zeigte sich auch vor Ort beim Neujahrsempfang. Vier Männer aus Ägypten, Angola, dem Iran und Eritrea waren der Einladung gefolgt. Auch die Familie Rustemi, die 2006 nach Serbien abgeschoben wurde und dank einer Marsberger Initiative 2007 wieder einreisen konnte, war zu Gast. Insgesamt leben in der Stadt 800 Ausländer, die aus 60 Nationen kommen.

Zum Schluss seines Referates rief Meinolf Wacker die Anwesenden auf, den Fremden als Geschenk zu sehen. Wegweisend seine für ihn die Worte eines jüdischer Rabbi: „Die Nacht endet, wenn ich im Gesicht eines Menschen die Schwester oder den Bruder erkennen kann.“ Sicher ein guter Vorsatz für das neue Jahr.

Bild und Text: Bettina Mander


Pastor Meinolf Wacker und Dr. Petra Blanke erzählen von der Flüchtlingsarbeit in Kamen.

Ehrengäste beim Empfang: Bewohner des Übergangswohnheims für Asylbewerber in Marsberg.

 
 
 
 
Den Bruder im Gesicht eines Menschen erkennen-Ökumenischer Neujahrsempfang in Marsberg
 

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