08.12.2017

Herberge finden-1- Im Hospiz Raphael


Arnsberg. Maria und Josef finden in Bethlehem eine Herberge. Im Stall oder einer Grotte kommt ihr Kind zur Welt. Im Licht des Sterns, behütet von himmlischen Gottesboten, gewärmt von Ochs und Esel, besucht von Hirten und Königen beginnt Jesu Lebensweg.
Hell, warm, behütet sind die Menschen, die am Ende ihres Lebensweges als Gast im Hospiz Raphael aufgenommen werden. Hospiz heißt ursprünglich: Herberge für Pilger. Hier können rasten und ausruhen, bevor sie wieder aufbrechen.  Die Gäste im Hospiz Raphael werden umsorgt von Schwestern, Pflegern, Physiotherapeuten, Ärztinnen und Köchinnen. Dass sie nicht allein sind, das ist für die meisten das Wichtigste, weiß Rita Kyewski, die seit einigen Jahren hier arbeitet. Liegt ein Gast im Sterben, sorgt das Team dafür, dass immer jemand am Bett setzt. Sie selbst und ihre Kollegen und Kolleginnen wechseln sich ab,  geschulte Ehrenamtliche übernehmen Sitzwachen am Tag und in der Nacht. Angehörige und Freunde machen mit. Will jedoch ein Sterbender allein sein, was auch immer wieder vorkommt, ziehen sich die Mitarbeitenden und die Angehörigen zurück, nachdem sie das miteinander gesprochen haben.

Wichtig ist Rita Kyewski, dass sie im Zimmer eines Gastes ist, bevor dieser sich bemerkbar gemacht hat. Da sein, bevor sie uns rufen – das schafft Vertrauen zwischen Gastgebern und Gästen. Die Schwester hofft, dass die Gäste, die diese Erfahrung machen, sie hoffen lässt, dass auch nach dem Tod immer jemand bei ihnen ist.
Sie vergleicht ihre Arbeit mit der einer Hebamme. „Für mich ist Sterben wie zur Welt kommen“, sagt sie, „ es dauert meist lange und es ist schmerzhaft.“ Gebärende machen Töne, wenn die Wehen kommen. Das bewusste Atmen und Tönen hilft, die Wehen auszuhalten, ja, macht sie produktiv. Auch manche Sterbenden tönen. Die körperlichen Schmerzen können durch Medikamente fast völlig ausgeschaltet werden. Aber die seelischen suchen nach Ausdruck. Häufig sind es Menschen, die schwer Abschied nehmen können, zum Beispiel weil sie jung sind und noch leben wollen. Mit jedem Ton, den sie rauslassen, kommt das mit: der Schmerz, die Schwäche, dieses ‚Ich will noch leben, bin aber zu schwach und  kann noch nicht gehen“. Aushalten können das die Begleiter, wenn sie sich gegenseitig stützen. Bei der Geburt bekommt die Schwangere Unterstützung vom Lebenspartner, von Freundinnen, manche nehmen ihre Mutter mit – alle verlassen sich auf die Hebamme, die viel Erfahrung hat und Unerfahrene unterstützt. Genau wie die Schwester im Hospiz. Sie nimmt wahr, wenn Angehörige ängstlich vor dem Sterbezimmer stehen. Sie informiert sie genau über das, was sie im Zimmer erwartet. Sie ermutigt sie, sich ans Bett zu setzen und kleine Dinge zu tun: Die Sterbende zu umarmen, ihre Hand zu halten, etwas aus der Zeitung vorzulesen oder einen Witz zu erzählen. Auch Angehörige finde im Hospiz Raphael eine Herberge. Sie können in einem Zustellbett oder im Angehörigenzimmer übernachten. Die Mitarbeitenden im Hospiz achten auf sie und nehmen wahr, wieviel sie aushalten können. „Wir merken auch, wenn Angehörige zu sehr belastet sind. Dann ermutigen wir sie, mal wieder zu Hause zu schlafen und sich zu erholen. Denn wir wissen, die Angehörigen müssen nach dem Tod die Kraft haben weiterzuleben“.

Gerade Weihnachten vermissen wir die Menschen, die gestorben sind. Lücken schmerzen besonders, wenn Weihnachtshoffnungen sich nur auf frohe Familienfeiern beziehen. Dabei steht Weihnachten eigentlich der Trost an erster Stelle. Der Trost der Welt ist in Bethlehem geboren. Rita Kyewski hat nach vielen Abschieden in der Herberge Hospiz St. Raphael eigene Worte für diesen Trost gefunden. Traurigen Angehörigen sagt sie:  „Glaubt an euer eigenes Leben und lebt es. Das, was euren lieben Angehörigen passiert ist, dass sie vorausgegangen sind, war gut und richtig, weil sie jetzt aufgehoben sind in einer anderen Welt, wo es ihnen besser geht“.

Diakoniepfarrer Peter Sinn ist Mitglied im stiftungsrat des Hospizes. der Kirchenkreis Arnsberg unterstützt das Hospiz ideell und finanziell. Informationen über das Hospiz hier  KKJB

Der Artikel "Herberge finden-2" beschäftigt sich mit der Spendenaktion für Wohnungslose, den die Diakonie Ruhr-Hellweg im November ins Leben rief hier. Sie können ihn lesen in der Weihnachtsausgabe von "Unsere Kirche"-Regionalseiten Arnsberg-Soest. Drei Probeexemplare der evangelischen Kirchenzeitung in Westfalen kann man umsonst bestellen: hier


Advents-und Weihnachts-

Stimmung im Hospiz. Bilder: Anke Jumah

 
 
 
 
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