Gott schuf Himmel und Erde, aber kein Glyphosat - Literarischer Gottesdienst im Arnsberger Kunstsommer


Arnsberg. Unkraut-jeder und jede kennt es. Fast niemand mag es. Denn im Garten wächst es immer schneller  als Zierpflanzen und Sträucher. Der Kampf dagegen beginnt, sobald er beendet schien. Unkraut hat seinen eigenen Kopf, lässt sich vom Menschen nicht bestimmen. Das fordert heraus zum erbitterten Kampf oder…. oder zum Umdenken.

Das Team, das mit Pfarrerin Gabriela Hirsch den literarischen Gottesdienst zum Kunstsommer 2017 vorbereitet hatte, hat erkennbar umgedacht. „Bis zur Arbeit an den Texten für diesen Gottesdienst, habe ich das Unkraut bekämpft“, gibt Angela Hesse zu.“ Doch jetzt denke ich anders darüber.“  Sie liest – im Zentrum des Gottesdienstes –die Geschichte „Hundeblume“ von Wolfgang Borchert. Über einen, der im Gefängnis eingesperrt ist, dessen Leben zwischen Mauern und Gittern abläuft, der mit den anderen Gefangenen im Kreis im Hof herumläuft  und mit ihnen aussieht wie die Latten eines grauen Zauns. Er entdeckt ein Pflänzchen im Beton und birgt es in seiner Blechtasse. Das Pflänzchen – draußen hätte er es Unkraut genannt - wird ihm zum Lebenspartner.

In grünen Schürzen, mit einem Marienkäfer-Tatoo auf Dekoltée oder Arm, beten, deklamieren,  singen und lesen die Frauen, zu denen auch Beate Horstmeier und Jutta Juchmann aus Arnsberg, Kerstin und Maike Buchbinder aus Menden und Detmold  und Heidrun Parplies aus Meschede gehören, über das zarte Gänseblümchen, die wandelbare Pusteblume und das biblische Unkraut unter dem Weizen. Sie laden ein zum Nachdenken, zum Lachen, zum Schnapstrinken und zur Unkrautmusik mit Instrumenten und Stimmen.
Unkraut vergeht nicht- diese Feststellung zieht sich als roter Faden durch den Gottesdienstspiegelt sich in den Klavierstücke, die Nico Weigl gekonnt vorträgt, und wird zum Wendepunkt in der Predigt, die Pfarrer Johannes Böhnke hält. Der bekennende Unkrautbekämpfer besinnt sich auf biblische Traditionen über Gott, der sich denen zuwendet, die unerwünscht sind in en Augen der Mächtigen, die hungrig sind, die nicht auf den Thronende sitzen. Er erzählt von Jesus, den eine Krone aus Dornen schmückte. Mit  „Gott erschuf Himmel und Erde, aber nicht Glyphosat“ und: „Im Paradies gilt die Kleingartensatzung“ nicht. stimmt er am Ende dem Lob der Spontanvegetation zu.

Viel Begeisterung bringen der Gottesdienst rüber. „Hier stehe ich und kann nicht anders“- dieses Leitwort der Spontanvegetation im Garten soll alle beflügeln, die sich selbst manchmal für Unkraut halten. In Gottes Augen gibt es kein Unkraut.
Zum Imbiss blieb die Gemeinde, in der sich  wie jedes Jahr Arnsberger und Kunstsommer-Gäste mischten, gerne bei Holunderwein und Kräuterquark zusammen. Draußen erklangen schon die dumpfen Paukenschläge der Aktionskünstler – drinnen gingen die Gespräche weiter spontan, heilsam, aufmüpfig und vital. KKB

Bilder: KKB  Bildergalerie


 
 
 
 
Gott schuf Himmel und Erde, aber kein Glyphosat - Literarischer Gottesdienst im Arnsberger Kunstsommer
 

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