26.06.2017

Von Gott gehalten in einer Welt, die Kopf und auf dem Spiel steht - Ev. Kirchenkreise Arnsberg und Soest feierten zweites gemeinsames Fest zum Reformationsjubiläum


Körbecke. Ein reichhaltiges Programm hatte das Vorbereitungsteam auf die Beine gestellt. Angefangen beim Gottesdienst, der Sommer und Weihnachten verknüpfte, über schmackhafte Essen, musikalischen Highlights, beeindruckende Gespräche, Kinderprogramm, bis zu Kabarett und Konzert am Abend. Der Eröffnungsgottesdienst traf auf eine voll besetzte Schützenhalle in Körbecke, dem „geographischen Mittelpunkt der beiden Kirchenkreise“, so Dieter Tometten, Superintendent in Soest. Im Laufe des Tages verliefen sich die an die 500 Besucher leider auf dem großen Gelände. Offensichtlich war der Weg für viele zu weit, die Konkurrenz durch Schützen-und Schulfeste, Sportereignisse und lokale Events zu groß. „Das ist erst gemeinsame Fest, das wir feiern“, sieht Superintendent Alfred Hammer die Sachlage

„Er muss wachsen“, sagt Johannes der Täufer, dessen Namenstag die Christenheit am 24. Juni feiert, über Jesus. Er selbst brachte mit seiner kompromisslosen Gerichtsrede die Zeitgenossen ins Schleudern und sich die Todesstrafe. Jesus, der als unscheinbares Menschenkind zur Welt kam, stellte als Erwachsener mit Worten und Taten die Welt auf den Kopf. Er brachte religiös Sattelfeste und politisch Mächtige aus dem Konzept, so dass sie auch ihn als Unruhestifter  töteten.

Um solche gefährlichen Botschaften gehe es in einer Welt wie heute, in der ein Präsident sein Volk hinters Licht führt, machte Gastprediger Prof. Dr. Harald Schroeter-Wittke wortgewaltig und engagiert klar. Seine Predigt war das Zentrum des Gottesdienstes in der Jahresmitte , am „Heiligmittag“ sozusagen. Auch mit zahlreichen Gästen aus Politik, Gesellschaft und katholischer Kirche, darunter Regierungspräsidentin Diana Ewert und zahlreiche Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Abt Aloysius von der Benediktinerabtei in Meschede und Dechanten aus dem Seostre und dem Arnsberger Raum. Schroeter-Wittke erreichte die Gemeinde, als er erinnerte, dass Luther mit seinen Thesen Jesu Botschaft aufgenommen hat: Tut Buße, das heiße: „Denkt um.“ Lebt miteinander als Gottes Kinder. Akzeptiert eure eigenen Schattenseiten, dann könnt ihr Fremde neben euch akzeptieren. Wege zum Frieden finden, das sei manchmal lebensgefährlich, “aber der Tod muss uns nicht schrecken.“ Gott steht für das Leben. Das sollen wir einander sagen und uns gegenseitig ermutigen.

Advents-und Weihnachtslieder – von Luther, vom katholischen Dichter Friedrich von Spee und vom evangelischen Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer gedichtet, setzten die Botschaft in Musik um. „Ich konnte fast alle Lieder auswendig“, sagte eine Frau aus Meschede. Ein mit Blumenketten und Federn geschmückter Weihnachtsbaum, eine Luther-Statue mit grüner Weihnachtsmütze, und grüne Weihnachtsmützen als Beutel, in denen Spenden für die Grünhelme e.V. gesammelt wurden, würzten den Gottesdienst mit Humor und Farbe. Grün war als Motto angesagt, als Farbe der Hoffnung, als Farbe des Islams, als Kraft, die Hildegard von Bingen in Heilkräutern als Spiegel Gottes sieht.

Grün auch als Zeichen für das Aufeinander-zu-wachsen der beiden Kirchenkreise. In den letzten Jahren haben sie viel zusammen gearbeitet, in Projekt- und Planungsgruppen und in großen Versammlungen. Zusammen zahlreich zu feiern, das ist noch Zukunftsmusik. Das können Christen, so Schroeter-Wittke. Buße heiße nicht, in den Keller zu gehen, um zu lachen, sondern das von Gott geschenkte Leben zu genießen und daraus Kraft zu schöpfen für ein Leben, das den Frieden sucht.

Spaß und Freude an einander hatten Kinder und Jugendliche. Sie fanden es toll, dass sie beim Menschenkicker und auf der Hüpfburg nicht anstehen mussten, sondern lange toben konnten. Die Luther-Ausstellung und Luther-Spiele von Familienzentren aus dem Kirchenkreis Soest waren ohne Gedränge zugänglich, die Erzieherinnen konnten intensiv auf Fragen eingehen.

Auch vor der Außenbühne, wo die Bands der Jugendkirchen Ense-Werl, Soest und Lippstadt tolle Musik machten, war genug Platz, ums sich zu bewegen und mitzufeiern. Das Publikum hatte großen Spaß an den drei Jugendbands aus Ense-Werl, Soest und Lippstadt. Stimmgewaltig und sicher auf und an den Instrumenten führten sie neue geistliche Lieder und bekannte Rock-und Popsongs auf.

Innen erbebte die Halle vom Posaunenklang. Fast 40 Bläser und Bläserinnen, darunter zahlreiche Mitglieder des Seniorenposaunenchors Westfalen-Mitte, begleiteten unter Leitung von Wilfried Pankauke aus Bönen und Kantorin Annette Elisabeth Arnsmeier aus Soest den Gottesdienst musikalisch. Später gehörte die Bühne dem Lippstädter Posaunenchor. Er begleitete – unter Leitung von Kantor Roger Bretthauer - das begeistert angenommene Offene Singen und zeigte, was ein moderner Posaunenchor alles spielt: Swing und romantische Popsongs, aber auch Klassik und Moderne.

Berührend waren sechs Interviews, die Pfarrer Christian Casdorff aus Soest mit „normalen und deshalb ganz besonderen“ Gemeindegliedern und einem Pfarrer auf dem roten Sofa führte. Der bühnenerfahrene Pfarrer hatte seine Gesprächspartner auf vier Fragen vorbereitet: Welche Bibelstelle ist Ihnen wichtig? Was hat Ihnen den Gauben eröffnet, was bedeutet Ihnen das altmodische Wort Gnade – und was gehört unverzichtbar zu Weihnachten?

14 Jahr alt ist Jana Kampmann, 84 Jahre alt Helene Reitis. Dazwischen liegen sieben Jahrzehnte christlichen Lebens der Befragten: Sie erzählten eindrücklich von Bibelworten, die tragen, einer Mutter, die nach dem Krieg Gottvertrauen ausstrahlte, einem Vater, der morgens und abends die Tagelosung und eine Andacht hielt, vom Glauben, der in unterschiedlichen Aggregatszuständen eben auch als Sehnsucht und als Zweifel im Leben vorkommt. Casdorff bedankte sich bei ihnen mit einer Flasche „Herr Käthe-Bier“. Es wird nach einem leicht angepassten Rezept aus der Refomrationszeit in Lippstadt gebraut.

Alle, die das Fest vorbereitet und gestaltet haben, bekamen als Dank ein Käthe-Bier, „denn Geschenke gehören zu Weihnachten“, betonten Lilo Peters, Pfarrerin aus Lippstadt, und Dr. Christian Klein, Pfarrer aus Wickede, die als Moderatorenduo durch das Programm führten.

Kaffee und Kuchen bot der Gospelchor aus Geseke an, selbstgebackene Luther-Brötchen und einen Quiz die Regionale Arbeitsstelle Mission, Ökumene und Weltverantwortung und Süßes für die Seele der Fachbereich Seelsorge. Der mobile Wiese-Kiosk lud zu Muffins mit Schinken und Pumpernickel und zum Gespräch ein.

„Unsere gemeinsamen Feste werden wachsen“, sieht Dieter Tometten vertrauensvoll in die Zukunft. Er und Alfred Hammer hatten Anfang und Ende des Festgottesdienstes gestaltet. Vorbereitet, durchgeführt und organisiert haben das Fest Michael Glöckner, Hans-Albert Limbrock, Kristina Ziemssen, Eva Berneis aus dem KK Soest und Christina Bergmann aus dem KK Arnsberg. Ihnen danken die Superintendenten und freuen sich über alle, die beim Fest dabei waren. KKB

Bildergalerie

Predigt von Prof. Dr. Harald Schroeter-Wittke


Die Möhneseehalle beherbergt den Heilliger Mittag-Gottesdienst Bild: KKB

Ökumene-Kreuz und Reformationsbanner

Posaunenchor und Gemeinde Bild: Bunte

 
 
 
 
Von Gott gehalten in einer Welt, die Kopf und auf dem Spiel steht - Ev. Kirchenkreise Arnsberg und Soest feierten zweites gemeinsames Fest zum Reformationsjubiläum
 

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