26.05.2017

Altbürgermeister auf Kanzel der Martin-Luther-Kirche


Olsberg. Zum 500. Reformationsjubiläum hatte im Rahmen einer ganzen Reihe von Gottesdiensten mit „Kanzelreden“ im Evangelischen Kirchenkreis Arnsberg die Auferstehungskirchengemeinde Olsberg-Bestwig am Sonntag Rogate den katholischen Alt-Bürgermeister der Stadt Olsberg, Elmar Reuter eingeladen, in einer Kanzelrede  seine Sichtweise auf die Reformation und ihren heutigen Stellenwert darzulegen.

In vier Abschnitten, die vom Posaunenchor unter der Leitung von Horst Jerzembek und vom Kirchenmusikdirektor Gerd Weimar an der Orgel mit verschiedenen Sätzen des Kirchenliedes „Verleih uns Frieden gnädiglich“ umrahmt wurden, konnten die Zuhörer nachdenkliche aber auch überraschend deutliche Worte zum aktuellen Stand des ökumenischen Miteinanders hören.

Reuter nannte unter anderem das „Priestertum aller Getauften“, in dem sich die evangelische von der katholischen Kirche unterscheide: „Neben der verstärkten Aufmerksamkeit für die Heilige Schrift in der evangelischen Kirche gefällt mir - und das halte ich absolut für richtig-, die starke Beteiligung des ganzen Kirchenvolkes, der Gemeindeglieder, an der Verantwortung für das Leben in der Kirche.  Die derzeitige überkommene Ausgestaltung kirchlicher Autorität in meiner Kirche macht mir zunehmend Schwierigkeiten.“ Sowohl die Ausgestaltung der Ökumene als auch die Möglichkeiten, Aufgaben der Laien in der Kirche aufzuwerten, die Rolle der Frauen von Vorbehalten zu lösen und den Zölibat, die (verpflichtende) Ehelosigkeit der Priester aufzugeben würden erheblich durch episkopal-hierarchische Strukturen behindert. Darin sieht Reuter eine Gefährdung des Bestands seiner Kirche.

Reuter, der in seiner Rede aber eher das Gemeinsame der beiden Konfessionen als das Trennende in den Vordergrund stellte, hob hervor, dass die Gedanken und Entwicklungen, die in der Reformation ihren Ausgangspunkt hatten, auch heute noch zum wesentlichen Fundament unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung gehören. Erst durch die von den Reformatoren geforderte Bildung für jedermann – unabhängig von Geschlecht und sozialer Herkunft – konnte sich durch die Jahrhunderte unsere offene und pluralistische Gesellschaft formen.

Auch in verschiedenen Zitaten namhafter Persönlichkeiten aus dem evangelischen und katholischen Leben, die Reuter am Ende seiner Kanzelrede anführte, konnten die Zuhörer erkennen, dass beide Kirchen auf dem Weg sind, das Gemeinsame in den Vordergrund zu stellen und trennende Hindernisse zu beseitigen. Insbesondere an der Basis gelinge dies in der Regel schon sehr gut.

Das Fazit: „Ich meine wir Christen müssen in einer Zeit, wo es an allen Ecken und Enden in der Welt brennt, wo unsere humanistische Werteordnung hier in Europa in Frage gestellt wird, uns nicht nur zu unserem Glauben bekennen und ihn bezeugen, sondern wir müssen auch die Hindernisse beseitigen, die uns Christen uneingeschränkt zusammenstehen lassen. Wir haben hier Werte gesetzt, die dieses Land und Europa prägen: Ich nenne Nächstenliebe, Toleranz, Verzicht auf Gewalt, Verantwortung für sich selbst wahrnehmen im Sinne von Luthers „Freiheit des Christenmenschen“.“

Da es sich nicht um eine Predigt, sondern um eine Rede handelte, dankten die Gottesdienstbesucher Herrn Reuter für seine intensive Beschäftigung mit dem Thema „Reformation“ mit einem kräftigen Applaus.

Eingebettet war die Kanzelrede in einen musikalisch anspruchsvoll gestalteten Gottesdienst. Schon Luther war der Meinung, dass die Verkündigung durch das Wort und die Musik geschehen solle. In diesem Sinne zeigte der Posaunenchor der Gemeinde sein vortreffliches Können und führte musikalisch durch fünf Jahrhunderte Kirchenmusik. Neben Chorälen und Bläsersätzen aus Renaissance und Barock erklangen gefühlvolle Melodien aus der Romantik und zeitgenössische Interpretationen alter Melodien. Pfarrer Diettmar Schorstein, der den Gottesdienst leitete, informierte die Gemeinde an verschiedenen Stellen über die einzelnen Stücke. Extra zum Zwecke dieses Gottesdienstes hat sich der Posaunenchor mehrere historische Instrumente beim ev. Posaunenwerk ausgeliehen, um so für noch mehr Authentizität zu sorgen. Die Bläser wurden an der Orgel unterstützt von Kirchenmusikdirektor Gerd Weimar aus Arnsberg, der auf Ebene des Kirchenkreises die verschiedenen Gemeinden bei der Gestaltung der Kanzelreden-Gottesdienste unterstützt.  Schorstein dankte allen Beteiligten für die Gestaltung dieses außergewöhnlichen Gottesdienstes.

Text: Martin Patzsch


Dietmar Schorstein, Elmar Reuter, Horst Jerzembek, Gerd Weimar (v.l.n.r.) Bild: Bodo Becker

Gerd Weimar an der Orgel begleitet den Posaunenchor Bild: Martin Patzsch

 
 
 
 
Altbürgermeister auf Kanzel der Martin-Luther-Kirche
 

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