02.05.2017

Die Zeiten ändern sich - Pfarrerinnen und Pfarrer beschäftigen sich mit ihrem Berufsbild


Soest/Arnsberg. Bob Dylan hat im vergangenen Jahr den Literatur-Nobelpreis erhalten. Vermutlich auch für Lieder wie „The times they are a changin‘“, das nun schon über fünfzig Jahre alt ist. Dass die Zeiten sich verändern; ja schon längst verändert haben, wissen auch die Pfarrerinnen und Pfarrer der beiden Kirchenkreise Soest und Arnsberg. Und sie wissen auch: Das war erst der Anfang. Vor dem Hintergrund des demografischen  Wandels und zurückgehender Zahlen der Gemeindeglieder wird sich in naher Zukunft noch vieles ändern.

Das macht auf der einen Seite Angst und sorgt für eine gewisse Unsicherheit. Auf der anderen Seite sehen viele der engagierten Pfarrerinnen und Pfarrer darin aber auch eine große Chance, ihr eigenes Berufsbild neu zu definieren, gewachsene und oftmals auch verkrustete Strukturen aufzubrechen und so den Pfarrer-Beruf wieder deutlich attraktiver zu machen.

Denn attraktiv ist er nach wie vor. Oder wie der Arnsberger Superintendent Alfred Hammer es formulierte: „Ich habe den schönsten Beruf der Welt. Ich kann mir keinen schöneren vorstellen.“ Um abzufragen, ob möglichst viele der in den evangelischen Kirchenkreisen Soest und Arnsberg tätigen Theologinnen und Theologen ähnlich denken und fühlen, hatte jetzt die Landeskirche unter der Leitung von Präses Annette Kurschus zu einem Impulstag ins Kongresszentrum Bad Sassendorf eingeladen: „Innere und äußere Differenzierung des Pfarramtes“.

Einen Tag lang standen die Pfarrerinnen und Pfarrer der Region im Mittelpunkt, konnten ihre Sorgen, Nöten, Wünsche und Befindlichkeiten formulieren und den kopfstark erschienenen Vertretern der Landeskirche mit Sitz in Bielefeld (Superintendent Dieter Tometten: „Soviel Landeskirche auf einmal haben die beiden Kirchenkreise noch nicht erlebt.“) mit auf den Weg geben.

Diese Art von Veranstaltung findet aktuell in allen so genannten „Gestaltungsräumen“ – elf an der Zahl – auf Ebene der Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) statt. Am Ende des Prozesses hofft die Präses, mehr über die Stimmung und das Gefühl an der Basis zu wissen: „Mich treibt die Frage um: Wie können Pfarrer ihren Dienst gerne, gesund und mit Freuden tun?“

Einer der das offenbar in Perfektion für sich geschafft hat, ist Pfarrer Dr. Ralf Kötter. In seinem bemerkenswerten Vortrag „Pastorale Präsenz und Kontinuität im Spagat zwischen kleinen Einheiten und der Region“ zeigte er Wege auf und formulierte Ideen, wie sich pastorale Arbeit und Gemeindeleben den neuen Anforderungen stellen und erfolgreich für die Zukunft aufstellen können.

In der evangelischen Lukas-Kirchengemeinde im Eder- und Elsofftal an der hessischen Landesgrenze sind in den vergangenen Jahren zukunftsweisende Reformen und Mut machende Visionen umgesetzt worden. Einiges davon kann sicherlich auch den beiden heimischen Kirchenkreisen auf ihrem Weg des Zusammenschlusses Vorbild und Ansporn zugleich sein.

Mit markanten Formulierungen weckte Dr. Kötter, der inzwischen als Dozent in Schwerte-Villigst arbeitet, das Interesse: „Kirche ist nicht der Sonderfall des Lebens, sondern das Leben ist der Normalfall der Kirche.“ Er forderte eine leidenschaftliche Öffnung der Kirche für die Welt. Nur so sei eine „leidenschaftliche Kirche in der Mitte der Gesellschaft“ lebbar und erlebbar.

Motiviert von diesem Impulsreferat beschäftigten sich die Teilnehmer anschließend zunächst in Arbeitsgruppen mit der Thematik, um nach dem Mittagessen in einer Zukunftswerkstatt, die thematisch in sechs Schwerpunkte unterteilt war, den aktuellen Zustand ihres Berufs- aber auch Gefühlslebens und die Befindlichkeiten, Besonderheiten und Alleinstellungsmerkmale in ihren jeweiligen Gemeinden zu beleuchten.

Die Ergebnisse der AG’s wurden im Anschluss im Plenum vorgetragen und mit der Präses diskutiert. Ein Wunsch von vielen: Unterstützung, Begleitung und Wertschätzung durch die Landeskirche auf dem nicht leichten Weg der Veränderung. Die Geseker Pfarrerin Kristina Ziemssen: „Wir wünschen uns vor allem Offenheit, wenn mal etwas Neues ausprobiert wird.“

Präses Kurschus machte sich zahlreiche Notizen und versprach, dass der „Wunschzettel“ der Pfarrerinnen und Pfarrer aus Soest und Arnsberg in Bielefeld Gehör finden und das sie weiterhin ihre Hand an den Puls der Basis legen werde: „Die Vielfältigkeit unseres Berufes ist Chance und Schwierigkeit zugleich. Ich habe aber das Gefühl, dass man zunehmend wieder den Charme unseres Berufes entdeckt.“

Diese Einschätzung teilt offenbar auch die Mehrheit der Soester und Arnsberger Pfarrerschaft, die den Impulstag als deutliche Bereicherung und Motivationshilfe für ihre tägliche Arbeit empfanden. Die Präses sagte zu, die Kirchengemeinden und ihre haupt- wie nebenamtlichen Kräfte zu unterstützen: „Pfarrer werden auch in Zukunft immer gebraucht. Ich spüre eine deutliche Veränderung der Grundstimmung, eine regelrechte Begeisterung. Gebt dieser Begeisterung die Möglichkeit, Gestalt zu werden.“

Hans-Albert Limbrock


Der Arnsberger Kreiskantor Gerd Weimar sorgte zu Beginn für die nötige Lockerheit.

"Alles zerrt an mir"- Kai Hegemann, Soest, und Christina Bergmann, Arnsberg, stellen anstrengendes Gemeindeleben vor.

Moderator Dr. Peter Böhlemann mit der Präses

Referent Dr. Ralf Kötter

Pfarrer und Pfarrerinnen aus

den Kirchenkreisen Arnsberg

und Soest begegneten sich

in Kleingruppen.

Auswertung der Gruppengespräche

auf dem roten Sofa - Bilder: lim

 
 
 
 
Die Zeiten ändern sich - Pfarrerinnen und Pfarrer beschäftigen sich mit ihrem Berufsbild
 

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