31.03.2017

Kanzelreden fortgesetzt - Regierungspräsidentin und Europapolitiker aktiv in evangelischen Gottesdiensten


Neheim/Meschede. Am Sonntag, 9. April um 9.30 Uhr hat die Kirchengemeinde Meschede den Europapolitiker Dr. Peter Liese auf die Kanzel in der Christuskirche, Schützenstr.4, eingeladen. Musikalisch wird er gestaltet von Christine Wallnau-Toepfer mit dem Mescheder Posaunenchor und Kirchenmusikdirektor Gerd Weimar mit einem Projektchor.

Zwei Wochen zuvor hat Regierungspräsidentin Diana Ewert aus Arnsberg in der Neheimer Christuskirche gezeigt, wie spannend es ist, Menschen aus einem anderen Arbeitszusammenhang im Gottesdienst zu hören. Die Chefin der Bezirksregierung hatte sich von dem Kompendium „Luther lesen“ zum Studium der Luther-Schrift „An die Ratsherren aller Städte deutschen Landes, daß sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen“ von 1524 anregen lassen. Beeindruckend, wie intensiv Ewert aus dem Sendschreiben zitierte und wie viele Zusammenhänge sie zwischen Luthers Ideen und heutiger Bildungslandschaft sah. Gewählt hatte sie das Thema „Bildung“, „weil alle Menschen in der Schule waren und viel zum Thema sagen können.“ Im Reformator sieht sie einen „modernen Bildungstheoretiker“, der aufgrund seines Menschenbildes Schulbildung für alle forderte und die Verantwortung für die Umsetzung den Ratsherren der Städte gab. Erstaunlich, was Luther damals unter Bildung verstanden hat. Es gehe nicht darum, die Texte der Bibel nach der Interpretation der Väter aufzunehmen, sondern sich die Ursprachen Griechisch und Hebräisch anzueignen, um selbstständig die Bibel lesen und die Bedeutung der Texte erschließen zu können. Bildung mache es Menschen möglich, kritisch zu denken.
Für Kinder aller Stände forderte Luther die Einrichtung der Schulpflicht. Auch für Mädchen sah er die Notwendigkeit, neben der Hausarbeit täglich eine Stunde zur Schule zu gehen.

Fast reformpädagogisch mutet seine Einsicht an, dass Kinder beim Lernen Spaß haben sollen und nicht gequält werden dürfen, wie Luther selbst es erlebt hat: “Es ist jetzt nicht mehr die Hölle und das Fegefeuer unsrer Schulen“ , schreibt Luther, “in denen wir gemartert worden sind (…) und nichts gelernt haben vor so viel Schlägen, Zittern, Angst und Jammer.“ Im von Luther geforderten Nebeneinander des praktischen und schulischen Lernen sah Ewert schon die Andeutung heutiger dualer Ausbildung.

Ewert erinnerte daran, dass es fast vierhundert Jahre gedauert hat, bis Luthers Ideen Wirklichkeit wurden: Erst im 19. Jahrhundert war die Unterrichtspflicht in ganz Deutschland verbreitet, die tatsächliche Umsetzung erfolgte jedoch erst im 20. Jahrhundert. Luthers Forderungen haben heute noch Relevanz, fand Ewert, und bezog sich dabei auf den Ganztag an Kindertagesstätten und Schulen, den digitalen Ausbau der Schulen, die bauliche Verbesserung der Mittagstische und die Bundes-und Landesprogramme, die Bildungs- und Teilhabegerechtigkeit fördern wie „Kein Kind zurücklassen“ und „Kein Abschluss ohne Anschluss“.

Heute, meinte Ewert, würde Luther für eine nachhaltige Bildung eintreten, „die auf das Potential des Kindes ausgerichtet ist und sich an den Bedarfen einer demokratischen, hochtechnisierten und pluralen Gesellschaft ausrichtet.“ Im Rundgespräch im Gemeindehaus begrüßte Pfarrer Dr. Udo Arnoldi Klaus Kaiser, MdL und für Bildungspolitik zuständig, Birgit Sippel, Europaabgeordnete, und den Stellvertretenden Arnsberger Bürgermeister Ewald Hille. Andreas Schauerte, Leiter der Agnes-Wenke-Schule, freute sich darüber, dass die Regierungspräsidentin allen Lehrern und Lehrerinnen für ihr Engagement gedankt hatte, gab aber zu bedenken, dass der Alltag an der Schule oft durch fehlende Motivation der Schülerschaft belastet würde. Die Politiker waren sich einig, dass Bildung im Sinne Luthers immer ein auf Werten basierendes kritisches Nachdenken über Wissen sein müsse. Mehrfach hatte die Gemeinde an diesem Sonntag Beifall geklatscht: nach der Kanzelrede, nach dem begeisternden Zusammenspiel der von Dirk Beyrodt geleiteten Neheimer Bläser mit Kreiskantor Gerd Weimar und nach der Diskussion. KKB

Bilder: KKB


Diana Ewert auf der Kanzel

Viele Menschen – auch aus Nachbargemeinde- kamen zur Kanzelrede.

Gäste aus Politik und Schule: v.l.n.r.: Klaus Kaiser, Ewald Hille, Birgit Sippel, Andreas Schauerte

Diana Ewert und Udo Arnoldi während der Diskussion

Die Neheimer Bläser musizierten mit dem Kreiskantor.

 
 
 
 
Kanzelreden fortgesetzt - Regierungspräsidentin und Europapolitiker aktiv in evangelischen Gottesdiensten
 

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