05.12.2013

Mit Bruder Zweifel zum Glauben finden - Beatrice von Weizsäcker in Briloner Stadtkirche


Nachdenklich und klug, hoffnungsfroh und zweifelnd, auf Gott setzend und Gott immer wieder in Frage stellend – das ist Beatrice von Weizsäcker, 55 Jahre alt, von Haus aus Juristin wie ihr Vater Richard von Weizsäcker, seit den 80-er Jahren als Publizistin und freie Autorin arbeitend. Sie lebt in München. Dort starb vor sechs Jahren ihr älterer Bruder. Nach seinem Tod schrieb sie das Buch „Ist da jemand? Gott und meine Zweifel“. „Wo ist er jetzt?“ fragte sie sich. Und suchte nach Gott. Sie lehnt es ab, einfach zu glauben, was Kirchenleute oder Theologen vorschreiben. Ihr Buch ist ein Plädoyer für die Freiheit des Menschen, seinen eigenen Glauben zu finden, ihn zu verstehen und durch ihn im Herzen berührt zu werden.

„Ich kann nicht beweisen, dass es Gott gibt“, sagt sie. Aber genau das spreche dafür, dass Gott da ist. Denn wäre Gottes Existenz zu beweisen, dann bräuchten wir nicht an Gott zu glauben. Trotzdem ist Glaube für sie nicht blindes Folgen, sondern eine Hoffnung und Zuversicht, die kein Wissen ist, ein Vertrauen, über das der Menschen nachdenken und es verstehen kann.
Beatrice von Weizsäcker trug am 8. November in der Ev. Stadtkirche Brilon 11 Kapitel aus ihrem Buch vor. Pfarrer Werner Milstein hatte sie eingeladen. In seiner Begrüßung richtete er die Aufmerksamkeit des Publikums auf den Zweifel, den „Bruder des Glaubens“.

Die zierliche Frau liest mit kräftiger Stimme, tritt zurück hinter ihren Text, kommt dem fragefreudigen Publikum aber sofort ganz nahe, wenn sie Antworten findet. Sie steht zu ihrem Zweifel an Gott und zu ihrer kritischen Position gegenüber der Amtskirche. „Kirche kann mir meinen Glauben nicht vorschreiben“, sagt sie, nachdem sie auch vorgelesen hat, wie evangelische und katholische Pfarrer und Theologen ihren Glauben angeregt und sie in tiefster Verzweiflung getröstet haben. „Ich schätze Theologen, aber manchmal verkomplizieren sie den Glauben.“ Beatrice von Weizsäckers erlaubt sich, selbstständig Bibeltexte zu deuten. Und sie ermutigt ihr Publikum, dasselbe zu tun.

Einige aus dem Publikum wollten genauer wissen, wie die Protestantin zur Kirche steht. Als Mitglied des Präsidiums des Deutschen Evangelischen Kirchentags, der größten evangelischen Laienorganisation, schätzt Beatrice von Weizsäcker allerdings die verfasste Kirche als Kooperationspartnerin und Unterstützerin.  „Ich setze mich gerne in leere Kirchen und zünde eine Kerze an, besonders gern, wenn jemand an der Orgel übt“, sagt sie. Sie brauche die Gemeinschaft, die im Gottesdienst entsteht. Sie könne aber auch allein zu Hause, in der Natur oder im Chatroom mit Gott reden. „Denn wenn ich zu Gott spreche, ist er da, auch wenn ich zweifle“.

Beatrice von Weizsäcker hat mit ihrer aufgeschlossenen, engagierten und warmherzigen Art das Briloner Publikum für sich eingenommen. Viele kauften nach der Lesung ihr Buch und ließen es sich von der Autorin signieren. „Danke für diesen Abend“, war beim Abschied mehrfach zu hören. Nachdem im Mai diesen Jahres Barbara Auer in der Ev. Stadtkirche gelesen hat, war dies der zweite Leseabend, den die BWT-Brilon Kultour und die Evangelische Kirchengemeinde in der Stadtkirche veranstalteten. Man kann gespannt darauf sein, wer als nächstes in dem kleinen aber feinen Raum aus einem Buch vorliest und mit dem Publikum Antworten auf Fragen sucht, die das Leben stellt.

KKB


Gerne signierte Beatrice v. Weizsäcker Bücher für das Publikum.

 
 
 
 
Mit Bruder Zweifel zum Glauben finden - Beatrice von Weizsäcker in Briloner Stadtkirche
 

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