01.02.2017

Kirchengemeinde zeigt Herz - Seit Januar Kirchenasyl für Flüchtling aus Westafrika


Sundern. Das Presbyterium der Ev. Kirchengemeinde bietet seit Mitte Januar einem westafrikanischen Flüchtling Zuflucht. Den Kontakt zu dem jungen Mann hat der Flüchtlingskreis in Sundern vermittelt. Er hält auch weiterhin die Betreuung aufrecht, während die Kirchengemeinde die Lebenshaltungskosten übernimmt. Der Ort des Kirchenasyls ist eine von der Gemeinde angemietete Wohnung. „Alle Beschlüsse haben wir einstimmig gefällt“, informiert Pfarrer Martin Vogt. Das ganze Presbyterium steht also hinter dieser Entscheidung - bedingt vor allem durch die Erfolgsaussichten. Der Westafrikaner bemühe sich vorbildlich um Integration, habe einen Sprachkurs besucht, sei Mitglied im Sportverein und habe dadurch viele Freunde gewonnen, berichten die Unterstützer. Auch Kontakt zu einem potentiellen Arbeitgeber, wo er eine Ausbildung machen könnte, ist schon aufgenommen. Sein Problem: Italien ist das Erstaufnahmeland. Deshalb erhielt er Anfang Januar den Bescheid, dass er in Deutschland keinen Asylantrag stellen könne. „Wir wissen aber, dass in Italien Flüchtlinge zum Teil auf der Straße leben müssen“, sagt die Unterstützerin. Die über zwei Jahre währende Flucht auf der Mittelmeer-Route habe den jungen Mann traumatisiert. „ In Italien gibt es zu wenig Unterstützung für Menschen in seiner Situation. Manche sahen nach der Abschiebung dorthin nur den Suizid als Ausweg“, wissen die Unterstützer. Und in seiner Heimat lebe niemand mehr, zu dem er zurückkehren kann. „Wenn er bis Ende April bei uns lebt, hat er Anspruch, in Deutschland einen Asylantrag zu stellen“, hofft das Presbyterium und hat das Asyl bis dahin befristet.
 Erfolgreich ist diesen Weg vor anderthalb Jahren schon die Ev. Kirchengemeinde Marsberg gegangen, als sie einem Mann aus Eritrea so lange Asyl gab, bis die Behörden seinen Antrag auf Asyl bearbeiteten. Inzwischen hatte er sein Interview und wartet auf den Bescheid.
Im Auftrag des Presbyteriums hat Pfarrer Martin Vogt die zuständigen Behörden bei der Ev. Kirche von Westfalen, der Stadt und dem Ausländeramt informiert. Kirchenasyl ist nichts Illegales sondern eine offene Sache. Der Flüchtling taucht nicht unter, die Behörden kennen seinen Aufenthaltsort und stehen in Kontakt mit der Gemeinde.
Dem Unterstützerkreis ist bewusst, wie  anstrengend und zermürbend ein Leben im Verborgenen ist. „Täglich rufen wir ihn mehrmals an, unterrichten ihn in Deutsch und erledigen seine Einkaufe. Wir ermutigen ihn, seinen Haushalt selbstständig zu führen und einem regelmäßigen Tagesablauf einzuhalten“, sagt eine der Unterstützerinnen.
Auf die Frage, was Unterstützerkreis und Kirchengemeinde jetzt brauchen, antwortet Martin Vogt: „Uns tut es gut, wenn die Menschen in Sundern und im Kirchenkreis für uns und den Flüchtling beten und wenn sie ihre Herzen für die Probleme der Menschen öffnen, die aus der Fremde- meist schwer traumatisiert – zu uns kommen.“
Wer sich dem Unterstützerkreis für Flüchtlinge in Sundern anschließen möchte, findet informative Aushänge über Angebote und Treffpunkte in der ehemaligen Kneipe M1, Mescheder Straße 1 und im Flüchtlingsbüro im Rathaus. KKB

 


 
 
 
 
Kirchengemeinde zeigt Herz -  Seit Januar Kirchenasyl für Flüchtling aus Westafrika
 

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