08.11.2016

Nicht im Stadium versöhnter Verschiedenheit beharren - Lammert spricht klare Worte im Reformationsgottesdienst


Wickede . „Ich weiß natürlich nicht genau, wie es landesweit mit der Realisierung der Ökumene aussieht. Wir hier in Wickede wären jedenfalls so weit!“ - Pfarrer Dr. Christian Klein von der veranstaltenden evangelischen Kirchengemeinde Wickede griff am Abend des Reformationstages den Leitgedanken von Gastprediger Dr. Norbert Lammert auf und unterstrich damit die, in der Ruhrgemeinde stetig wachsende, Bereitschaft zur Ökumene zwischen Katholiken und Protestanten.

Im insgesamt neunten Reformationstag-Motto-Gottesdienst „Mein Gott, das muss anders werden!“ hatte zuvor der prominente Politiker (Präsident des Deutschen Bundestages) Dr. Norbert Lammert in seiner Gastpredigt die letztlich rhetorische Frage bearbeitet, ob und was wir Deutschen denn nun aus den Lektionen der Geschichte seit Luthers Thesenanschlag (1517, Schlosskirche zu Wittenberg) gelernt hätten.

Dabei bewies Lammert in seinem durchgängig ruhigen und nachdenklichen Vortrag ein sehr profundes Geschichtswissen, wobei er seinen Argumentationsfaden immer wieder aufgriff und mit geschichtlichen Reflexionen über historische Eckdaten wie den Augsburger Religionsfrieden, das Konstanzer Konzil oder den dreißigjährigen Krieg verspann.

Energisch abwägend kam der Gastprediger schließlich zu seiner Forderung, nicht stehen zu bleiben auf dem Weg zum Zusammenschluss der beiden großen Kirchen. Zu verharren im Stadium der „versöhnten Verschiedenheit“ sei zu wenig und käme einer Kapitulationserklärung gleich, so Lammerts Worte. „500 Jahre nach der Reformation durch Luther ist die Zeit nun reif, geeint und gemeinsam unseren christlichen Verpflichtungen nachzukommen“, bekräftigte Lammert mit Nachdruck.

Im Gegensatz zu früheren Gastpredigten antworteten die Kirchgänger nicht mit spontanem Applaus. Das Gehörte wollte vielleicht erst noch einmal verarbeitet werden, musste sich gewissermaßen setzen. Beim Dank von Pfarrer Klein schließlich brauste der berechtigte Applaus dann umso kräftiger auf, passend zur Relevanz der angesprochenen Inhalte.

Den vorzüglichen musikalischen Rahmen offerierte Sopranisten Andrea Teutenberg mit drei getragenen Liedern (I believe/Celine Dion, The Prayer/Kathreen Jenkins und Pachelbels Kanon D-Moll), begleitet von Walentina Weckesser und Oksana Zjathov am E-Piano. Im Anschluss konnten sich die zahlreichen Kirchgänger, alle Bänke waren bis auf den allerletzten Platz besetzt, im Kirchencafé bei "Schmalzstullen und frischem Kaffee" über die Worte des prominenten Gastgebers angeregt unterhalten.

Andreas Hein, Soester Anzeiger


von links : Presbyter Hartwig Maier, Pfarrer Dr. Klein, Gastprediger Dr. Norbert Lammert, Presbyterin Eva Berneis

Sopranistin Andrea Teutenberg (stehend) und Pianistin Oksana Zjatkov (am E-Piano) Bilder: Andreas Hin

 
 
 
 
Nicht im Stadium versöhnter Verschiedenheit beharren - Lammert spricht klare Worte im Reformationsgottesdienst
 

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