13.11.2013

Forschungsprojekt gegen das Vergessen - Schüler erkunden Lebensgeschichten hinter Grabsteinen


 

Neheim. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, unter diesem Leitspruch hat der Künstler Gunter Demnig seine ersten Stolpersteine verlegt. In Neheim haben sich Schüler und Schülerinnen des Franz-Stock- (FSG) und St.-Ursula-Gymnasium (SUG) sowie der Realschule Neheim seit den Sommerferien die Geschichte der jüdischen Neheimer Familien Schwarz, Bertha und Julius Goldberg, Isak Ostberg und Betty und Noa Wolff erforscht. Knapp 100 Gäste kamen am Freitagnachmittag - nach der Kranzniederlegung auf dem jüdischen Friedhof zum Gedenken an die Reichspogromnacht - in die Synagoge und hörten sich die Vorträge der Jugendlichen an. Mit viel Applaus bedanken sie sich bei den jungen Forschern. Die Arbeiten werden an das Stadtarchiv übergeben und in einem der zukünftigen Hefte des Heimatbundes Neheim-Hüsten veröffentlicht.


Die Familien Ostberg, Goldberg und Wolff

Der SUG-Geschichtsleistungskurs der Stufe 12 forschte nach den Familien Ostberg, Schwarz und Goldberg. Über Moritz Ostberg fanden sie heraus: Der 1843 Geborene hatte eine Firma, die Bürstenköpfe hergestellt hat. Bei den gefundenen Grabsteinen der Familie Jakob und Johanna Schwarz handelt es sich um Grabsteine deren verstorbener Kinder. Schwarz war ein Kaufmann. Die SUG-Schüler hatten sich von der Organisation „Yad Vashem“ in Israel Informationen kommen lassen. Mit der in den USA lebenden Ur-tante von Bertha Goldberg hatten die Schüler regen Email-Verkehr. Der Neffe Abraham Goldberg wohnte in Alt-Arnsberg am Steinweg, Goldbergs in der Mendener Straße 33. Er muss recht vermögend gewesen sein, da er an dritter Stelle der Steuerliste, unter Wolff und Rosenthal stand. Mit der Geschichte der Familie Noa und Betty Wolff befassten sich die Schüler der Neheimer Realschule. Von seiner Geburt, Heirat mit Betty Illfeld bis zu seinem Tode stellten sie chronologisch das Leben des Ehrenbürgers und Industriellen von Neheim vor. Er soll ein sehr humorvoller Mensch und immer zu Scherzen aufgelegt gewesen sein. Wolff hatte den Bau der Synagoge 1876 durchgesetzt. „Es ist eine der schönsten und besterhaltensten Synagogen in NRW“, so die Forschergruppe.


Friedhofsordnung
Mit der jüdischen Friedhofsordnung befasste sich der Geschichtsleistungskurs, Stufe 12 des FSG. Es war damals schwierig eine staatliche Genehmigung für einen Friedhof zu bekommen. Er liegt in einem sehr ungünstigen Gebiet. Hochwasser, Grundwasser waren Gründe für das schwierige Genehmigungsverfahren. Erst im August 1891 nach einer ordnungsgemäßen Begutachtung gab es die Genehmigung für den Totenhof. Nach heutigem Stand gibt es dort 16 Grabstellen.

 

Text und Bild: Achim Benke

 

 

 


 
 
 
 
Forschungsprojekt gegen das Vergessen - Schüler erkunden Lebensgeschichten hinter Grabsteinen
 

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