01.02.2017

Koptischer Bischof Damian beim ökumenischen Neujahrsempfang zu Gast


Marsberg. Beim diesjährigen Neujahrsempfang der Marsberger Kirchengemeinden war die Ökumene wirklich zu spüren. Schon seit vielen Jahren wird am letzten Sonntag im Januar traditionell abwechselnd in der evangelischen Emmauskirche und der Propsteikirche St. Magnus zunächst ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert und anschließend zum Empfang eingeladen. In diesem Jahr bereicherte sowohl den Gottesdienst als auch den anschließenden Empfang ein besonderer Gast: der Koptische Bischof Anba Damian aus dem Koptisch-Orthodoxen Kloster Höxter-Brenkhausen. Er ist der oberste Repräsentant der Koptischen Kirche in Deutschland.

Die Beziehung zu Marsberg besteht schon lange, weil es hier einen Arzt gab, der Kopte war. Vor einigen Jahren fand auch einmal eine Pilgerfahrt von Marsberg aus mit über 200 Teilnehmern zum Kloster in Brenkhausen statt. Er fühle sich sehr willkommen in Marsberg, bedankte sich Bischof Damian für die Gelegenheit, beim Empfang dabei sein zu dürfen.

Zunächst erklärte er in seiner Predigt den Gottesdienstbesuchern ein wenig, was seinen Glauben ausmacht und wie er entstanden ist. Der Überlieferung nach gründete der Evangelist Markus die Kirche in Ägypten vor 2000 Jahren. Und so bezeichnet sich die Koptische Kirche als eine der ältesten der Welt. Die Kopten haben einen eigenen Kalender der 284 n. Chr. beginnt. Jahresanfang ist jeweils der 11. September. Das Wort „Kopte“ bedeutet Ägypter, so heißen auch heute noch die christlichen Einwohner Ägyptens. In der Liturgie verwenden die Kopten immer noch das Koptische, eine 5.000 Jahre alte Sprache, die direkt von der Sprache der Pharaonen abstammt.

Die Koptische Kirche nennt sich Märtyrerkirche und in der Tat sind Millionen ihrer Mitglieder aufgrund ihres Glaubens umgekommen. Auch heute ist die Verfolgung der Christen in Ägypten hochaktuell, dort in die Kirche zu gehen kann lebensgefährlich sein. Mädchen ohne Kopftuch sind grundsätzlich gefährdet. Ägypten war bis zur Eroberung im 7. Jahrhundert ein christliches Land, noch bis etwa 1.000 nach Christus war die Hälfte der Bevölkerung christlichen Glaubens.  Heute leben sehr viele Kopten aufgrund der Verfolgung außerhalb von Ägypten, nur rund zehn Prozent der Bevölkerung dort sind Christen.

„Wir leben in Deutschland mit der Gnade, dass wir Schutz, Würde und Menschenrechte erfahren, das ist nicht selbstverständlich“, zeigt sich der Bischof dankbar für sein heutiges Leben im Kloster Brenkhausen. Viel Gutes hat er dort bewirkt. Einerseits wird das Kloster seit dem Erwerb durch die Koptische Kirche im Jahr 1993 nach und nach liebevoll restauriert und ist zu einer ökumenischen Begegnungsstätte geworden. Außerdem wurde eine Kaserne in Borgentreich unter seiner Regie zu einer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge umgebaut. Viele Asylbewerber, die dort untergebracht waren und in andere Städte umverteilt wurden, kommen noch heute wieder, weil sie sich dort so wohl gefühlt haben. Auch die Kopten unter den Flüchtlingen in Marsberg kennen den Bischof von Besuchen in Brenkhausen. Beim Empfang sangen sie mit Bischof Damian spontan einen Psalm.

Weil er so gut aufgenommen wurde, schenkte Bischof Damian nach seinem Vortrag dem Bürgermeister von Marsberg, Klaus Hülsenbeck, ein Koptisches Kreuz, das der stolz entgegennahm. Die Besucher durften sich eine Miniaturversion des Kreuzes mitnehmen. Das Bischofskreuz, das Bischof Damian trägt, erklärte er den Anwesenden so: Es hat an den vier Armen jeweils drei Punkte für die Dreifaltigkeit. Die insgesamt zwölf Punkte erinnern an die zwölf Apostel. Die vier inneren Punkte stehen für die Evangelisten. Das Kreuz ist aus Leder, als Zeichen für das Opfern von Tieren, und hat kein Kruzifix, weil Christus auferstanden ist. Das Kreuz ist für die Kopten Schutz, Segen und Bekenntnis: „Wir schämen uns nicht, Christen zu sein“, sagt der Bischof.

Nach dem offiziellen Teil mischte er sich, wie auch die Marsberger Geistlichen bei der Konfessionen, Superintendent Alfred Hammer und Propst Meinolf Kemper, unter die Besucher des Empfanges und stand für Fragen und Gespräche zur Verfügung.

Text und Bilder: Bettina Mander

 

 

 


Kopten und andere Christen, vorwiegend aus Eritrea, sangen mit Bischof Damian einen Psalm.

 
 
 
 
Koptischer Bischof Damian beim ökumenischen Neujahrsempfang zu Gast
 

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