26.04.2016

Ein Besuch am Geburtsort Meschede - Geschichte und Dialog praktisch


Renate Dahlman geb. Ikenberg erblickte im Juli 1936 das Licht der Welt und kurz vor ihrem 80.Geburtstag kehrte sie in die ehemalige Heimatstadt Meschede zurück. Damals verfinsterte sich das Licht über dem Leben jüdischer Menschen durch die nationalsozialistischen Machthaber. Sie floh als Kleinkind mit ihren Eltern Berthold und Gertrude im Juni 1939 nach Bolivien. Auf der Durchfahrt durch den Panama-Kanal wurde Renate drei Jahre alt.
Im November 1953 wanderte die Familie von dort nach Kalifornien in die USA aus. Bis heute lebt Renate Dahlman in dem sonnigen Staat. In Bolivien ging sie auf eine amerikanische Schule. Zu Hause wurde Deutsch gesprochen und auf der Straße Spanisch. So wuchs sie in jungen Jahren mehrsprachig auf. Renate Dahlman pflegt seit vielen Jahren regen Kontakt nach Meschede. Sie hat viele Informationen und Fotos beigesteuert für die Darstellung ihrer Familiengeschichte in dem Buch „Jüdische Familien in Meschede“.

Fünf Tage im April kam sie mit ihrer Ihre Freundin Joanne Dolinky geb. Goldschmidt ins Sauerland. Joannes Familie stammt aus Eslohe. Sie selbst ist 1941 in New York geboren. Im Rathaus in Eslohe wurden die beiden Frauen vom Bürgermeister Stephan Kersting begrüßt. Anschließend folgte eine Führung zum Elternhaus Goldschmidt und zum neu benannten Goldschmidt-Weg. Ein Besuch des Kriegerdenkmals und des Museums machte den Abschluss. In Meschede wurden die Synagoge und der jüdische Friedhof besucht. Höhepunkt war eine offene Begegnung in der Alten Synagoge. Bürgermeister Christoph Weber begrüßte die beiden Gäste und ca. 25 interessierte Menschen, die gekommen waren. Es folgten Erzählen und Austausch von Erinnerungen. Es war, als ob Vergangenheit und Gegenwart sich durch die Menschen begegneten und gesagt werden konnte, was früher nicht möglich war und tragisch endete.  So musste z.B. Caroline Ikenberg, die Großmutter von Renate nach der Pogromnacht zu Verwandten nach Holland fliehen, wo sie verhaftet und in Sobibor 1943 ermordet wurde. Für Caroline Ikenberg wurde am 31. Mai 2012 ein Stolperstein vor dem Geschäftshaus Ikenberg am Stiftsplatz 8/9 verlegt.

Als im Sommer 1936 Renate geboren werden sollte, wurde es ihrer Mutter verwehrt, ihr Kind im Mescheder Krankenhaus zu entbinden, weil sie jüdisch war. Es fand sich eine christliche Hebamme aus der Stadt, die in die Familie kam und bei einer Hausgeburt half. Das ist ein Beispiel für persönlichen Mut und Menschlichkeit in schwierigen Zeiten.  

Text und Bilder: W.Oertel


 
 
 
 
Ein Besuch am Geburtsort Meschede - Geschichte und Dialog praktisch
 

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