16.03.2015

Trotz verschiedener Religionen zusammen beten - Pfarrkonferenz im Evangelischen Kirchenkreis Arnsberg besuchte Mescheder Moschee


Zu ihrer monatlichen Konferenz trafen sich über 30 evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer aus den Gemeinden und dem Kirchenkreis Arnsberg im März in der Fatih-Moschee in Meschede. Seit 1984 existiert die islamisch-türkische Gemeinde zu Meschede. Die 2008 eröffnete Moschee mit ihren Kuppeln und dem über 13 Meter hohen Minarett fällt auf im Mescheder Gewerbegebiet. Vedat Tekin, seit 2012 Imam der Gemeinde, und Dialogbeauftragter Ahmet Arslan erläuterten den evangelischen Kollegen, wie und wann die Waschräume, die es für Männer und Frauen gibt, benutzt werden. Hoher Andrang herrscht dort am Freitag, wenn über 150 Personen zum wöchentlichen Hauptgebet kommen. Die Waschung der Arme, des Nackens, der Füße, der Ohren und des Mundes hat praktische und symbolische Bedeutungen. Gereinigte Füße treten nicht, gereinigte Ohren und Augen hören auf die guten Aussagen der Mitmenschen und sehen barmherzig auf sie. Plakate mit Erklärungen auf Deutsch und Türkisch erklären die Waschungen und die dazugehörigen Gebete.

Humorvoll und auskunftsfreudig baten Tekin und Arslan die evangelischen Gäste, auf dem Teppich des hellen und farbenprächtig geschmückten Gebetssaals Platz zu nehmen. Ihr Blick fiel auf die Gebetsnische, von wo aus der Imam als Vorbeter mit Blick auf die Gemeinde betet. Er arbeite mehr als eine volle Stelle, meinte Arslan. Tekin ist Seelsorger und Psychologe für die Gemeindeglieder, organisiert Pilgerreisen, wäscht die Toten und sorgt dafür, dass sie in die Türkei überführt werden. Zu allen fünf Gebetszeiten ist er in der Moschee. Werktags sind oft 10 Gemeindeglieder dabei, am Wochenende 35. Wie in der Kirche gibt es in der Moschee zwei Pulte, eins für die Predigt, das andere für längere Vorträge. Die Freitagspredigt ist in drei Teile gegliedert: Sie beginnt mit einer arabischen Eingangsformel. Es folgen die türkischen Ausführungen und eine Zusammenfassung auf Deutsch.  „Denn die Mitglieder der Gemeinde sind aus 12 Nationalitäten.“ Auf der Frauenempore weisen Plakate auf Themen hin, die die Moscheegemeinde im Gespräch mit Gästen diskutieren möchten: Frauen haben sich zum Kopftuch und zu ihrer traditionelle Kleidung geäußert. Sie kleiden sich zum Beispiel so, um den Worten Mohammeds zu entsprechen. Andere fühlen sich frei vom Modediktat. Getrennt von den Männern zu beten, gibt ihnen Freiheit. Dass es nach islamistischen Gewalttaten häufig zu pauschalen Verurteilungen aller Moslems kommt, sehen sie kritisch.
Superintendent Alfred Hammer bedankte sich im Namen seiner Kolleginnen und Kollegen für die Gastfreundschaft. Der türkische Tee und die Süßigkeiten haben gut geschmeckt und die Herzlichkeit von Tekin und Arslan habe gezeigt, wie verbunden sich die türkische Gemeinde der deutschen Gesellschaft fühlt. Dass ein Miteinander der Religionen möglich ist, und dass Moslems und Christen mit offenen Ohren, Augen und Herzen miteinander umgehen können, bewiesen Gastgeber und Gäste, als sie am Ende des Treffens nacheinander in ihren Sprachen beteten und füreinander Gottes Segen erbaten.

Text: KKB


Im Waschraum

Die evangelischen Gäste auf dem Fußboden im Gebetssaal

v.L. Ahmet Arslan und Vedat Tekin - freundliche Gastgeber in der Fatih-Moschee, Meschede

Gäste und Gastgeber versammeln sich auf der Frauenempore zum Beten Bilder: KKB

 
 
 
 
Trotz verschiedener Religionen zusammen beten - Pfarrkonferenz im Evangelischen Kirchenkreis Arnsberg besuchte Mescheder Moschee
 

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