19.07.2017

Von Zorn und Zärtlichkeit - Worte, die Frau Luther ihrem Mann hätte sagen können


Meschede. Jutta Juchmann bringt Katharina von Bora auf die Bühne. Etwa 150 Männer und Frauen waren ins Kirchenzentrum gekommen, um die Theaterpädagogin und Mitspielerin in Jehuda Almagors Theatron in Arnsberg zu erleben, die anlässlich des Reformationsjubiläums Katharina von Bora ehrte. Die ehemalige Nonne und spätere Ehefrau des schon damals berühmten Theologen hatte in der Ehe ihr Kreuz zu tragen. Die Autorin Christine Brückner hat in treffenden Worten ausgemalt, welche Tischrede die Frau an Luthers Seite damals gehalten haben könnte. Aufgeschrieben wurden ja nur Luthers Worte von den zahleichen Scholaren, die Katharina an ihrem gemeinsamen Tisch versorgen musste. Immer wieder beschwert sie sich über die Schreiberlinge, die in ihr und Luthers Privatleben eindringen. “Nur in die gemeinsame Schlafkammer kommen sie nicht rein“, gab sie zu. Dort sei sie für ihren Mann da, etwa wenn er schwere Träume habe, mit dem Teufel kämpfe oder von körperlichen Schmerzen geplagt würde. Aufgeregt, begeistert, zärtlich und kritisch, verzweifelt und ermutigend –Juchmann spielt überzeugend auf der Klaviatur der Gefühle und ihrer Stimme. Luther ist am mittelalterlich gedeckten Tisch nur durch Talar und Barett, Amtskleidung und Kopfbedeckung eines protestantischen Pfarrers, vertreten. Das Publikum muss ihn sich vorstellen, was aber sehr leicht fällt, da die Schauspielerin sich mit ihrem ganzen Körper immer wieder an ihn wendet, ihn beschimpft, ihn liebevoll ansieht und energisch aufrüttelt.
Das Hadern des Ehemanns mit Gott, mit sich selbst und seinen Mitmenschen muss ihr den Alltag oft vergällt haben. So sehr sie sich auch bemühte – mit in Wein eingelegter Scharfgarben oder Kot von Taube oder Pferd – ihre Worte und ihre Heilmittel konnten Luther nicht oft aus der Depression reißen.
Ausdrucksvoll verkörpert Juchmann Katharinas Liebe zur Natur, die ihr sogar ermöglicht, den Tod ihres Töchterchen ins Leben zu integrieren: „Gott hat uns Tränen gegeben, in denen löst sich der Hader“, versucht sie, ihren verzweifelten Ehemann zu trösten.
Juchmann untermalte ihre Worte mit Handlungen aus Keller, Küche und Garten. Sie verteilte Apfelschnitze ans Publikum, bot selbstgemachte Hafergrütze an. Mutige konnten einen Heiltrank probieren.
Susanne Schulze, hauptamtliche pädagogische Mitarbeiterin der Ev. Erwachsenenbildung hatte zuvor  ins kulinarische Mittelalter eingeführt: Grütze aus Getreide, saisonales Obst und Gemüse, aber keine Kartoffeln und Tomaten, dafür alle Bestandteilen von Kühen, Hühnern und Tauben standen auf dem Speiseplan. Teuer war die Versorgung damals: „3/4 ihres Einkommens gaben die Menschen fürs Essen aus.“ Verständlich, dass Frau Luther über die vielen Mäuler klagte, die ihr Mann an den Tisch einlud. Dass sie bezahlten, dafür musste die Hausherrin sorgen.
Zwischen den Szenen sang das Publikum, flott begleitet am Klavier von Karin Neumann-Arnoldi, Lieder aus der Lutherzeit. „Ein feste Burg ist unser Gott“ erklang es am Anfang kräftig und ganz zart und leise für den müden Mann, der während der Rede seiner Frau eingeschlafen war.
Das Publikum dankte Jutta Juchmann mit kräftigem Applaus, Pfarrer Dirk Schmäring, der dem Vorstand der Erwachsenenbildung vorsitzt, mit Wein und Blumen. KKB


Zärtlich und zornig blickt Katharina von Bora alias Jutta Juchmann ihren berühmten Ehemann an.

Das Publikum geht begeistert mit.

Einmal Hafergrütze zum Probieren.

Luther - nur als Talar und Barett auf der Bühne vertreten. Bilder: KKB

 
 
 
 
Von Zorn und Zärtlichkeit - Worte, die Frau Luther ihrem Mann hätte sagen können
 

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