22.07.2017

Gib der Armut dein Wort-Tischreden II - Fachvorträge als Impulsgeber


Brilon. Diplompsychologe Wolfgang Faber, Leiter der Erziehungsberatungsstelle Soest, schilderte, dass es „erlernte“ Hilfslosigkeit nur bei Armut gebe. „Kinder lernen von dem, was sie beobachten. Wenn das Geld trotz Arbeit nicht ausreicht, kommt schnell die Erkenntnis, dass sich Leistung nicht lohnt.“ Armut  habe nicht nur große Auswirkungen auf die Teilhabe, sondern auch auf die psychische Gesundheit oder die Lebenserwartung. „Wenn ich allerdings lerne, an mich zu glauben, selbst zu entscheiden, in welche Richtung ich gehen möchte, kann ich mich vor Armut schützen“, so das Fazit. Dazu bedarf es jedoch Unterstützungssysteme, z. B. Bildungsprogramme.

Christoph Straub, Fachbereichsleiter „Selbstbestimmtes Leben“ der Diakonie Ruhr-Hellweg nahm junge Leute und deren Umgang mit Geld sowie Armut im Alter in den Blick: „Wenn Angebote der Jugendhilfe scheitern und mit über 30 die Schulden so hoch sind, dass sie nicht mehr abgetragen werden können, treten oft noch andere Probleme auf, z. B. psychische Erkrankungen oder Suchtprobleme.“ Auch gesellschaftliche Schicksalsschläge können für Armut verantwortlich sein.  „Die Betroffenen verzichten häufig aus Schamgefühl auf Unterstützung. Sie verzichten auf Arztbesuche und Rezepte, weil das Geld für eine Behandlung fehlt.“ Verschuldung sei eine Belastungssituation und könne somatische und psychische Beschwerden hervorrufen. Die Kostenträger sähen nur den bestimmten Aspekt, wie die Eingliederung in den Arbeitsmarkt. Professionelle Helfer wie die Diakonie stießen oft an rechtliche und strukturelle Grenzen. Sein Impuls: „Gibt es Alternativen, den Menschen in seiner Ganzheit zu sehen?“

Prof. Dr. Falk Strotebeck von der Fachhochschule Südwestfalen gab Impulse für die Regionalökonomie. Er erläuterte, wie die Konsumenten durch niedrige Preise von Armut profitieren und wie die „Armutsindustrie“ das Problem ausnutzt, indem z. B. acht vom Staat bezuschusste Praktikanten die Tätigkeit von ehemals drei Vollzeitangestellten übernehmen. Seine abschließende Frage lautete: „Wird der Stärkere für den Schwachen in den Ring gehen?“

Was die Sozialversicherung mit Armut zu tun hat, war Thema im Vortrag von Dr. Florian Blank von der Hans Böckler Stiftung. Die Rentenversicherung habe nicht das Ziel, Armut zu bekämpfen, aber sie habe die Wirkung. „Es lohnt sich durchaus, darüber nachzudenken, wie wir weitere Ziele in das System einbringen können,“ so Dr. Blank. Ein Blick über die Grenzen hinweg zeige, dass die Möglichkeit einer Mindestsicherung - wie in Österreich - funktionieren könne.

Meinolf Ewers, Inhaber der Firma Ewers Karosserie und Fahrzeugbau, betrachtete die aktuelle Situation aus der Perspektive eines Arbeitgebers. Den Ursachen, weshalb die Integration in eine Ausbildung oder später in den Arbeitsmarkt oftmals nicht gelingt, könne durch präventive Maßnahmen wie die Einstiegsqualifizierung Jugendlicher und durch Fortbildungen entgegengewirkt werden. Ewers regte an, sowohl über ALG I als auch über neue Chancen der Qualifizierung und Unterstützung nachzudenken. Denn: „Die Wirtschaft stellt heute nur noch selten ungelernte oder unterqualifizierte Arbeitnehmer ein.“

Text: Silke Nieder


Wolfgang Faber

Christoph Straub

Prof. Dr. Falk Strotebeck

Dr. Florian Blank

Meinolf Ewers

 
 
 
 
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