22.05.2017

Endstation Abschiebung? - Handlungsmöglichkeiten bei gefährdetem Aufenthalt


Brilon. Das Thema einer Fortbildung, die Mitte Mai im Evangelischen Gemeindezentrum stattfand, ist sehr aktuell und fand ein großes Interesse bei neben- und hauptamtlichen Mitarbeitenden in der Flüchtlingsarbeit. Fach-und sachkundiger Referent war Heinrich Nolte, der Vorsitzende des Vereins Bürgerhilfe Medebach e.V. Bestimmt lag es auch an der Bekanntheit des ehemaligen Medebacher Bürgermeisters, dass insgesamt 35 Personen die Einladung angenommen hatten.
Das Konzept der Veranstaltung hatten die Synodalbeauftragte für ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit Franziska Pich und der Diakoniepfarrer des Kirchenkreises Arnsberg Peter Sinn erarbeitet. Vor Ort begrüßte Rolf Plauth, Koordinator der Briloner Flüchtlingspaten, auch Elisabeth Patzsch aus Olsberg, die nicht mehr als Ehrenamtliche gekommen war, sondern als Nachfolgerin von Susanne Willmes, die im Februar ihre Arbeit als Flüchtlingsbeauftragte im Osten des Kirchenkreises beendet hatte.
Im Mittelpunkt der Fortbildung stand verständlicherweise der Referent mit seinen Fallbeispielen und den vielfältigen praktischen Erfahrungen aus seiner langjährigen Flüchtlingsarbeit. Nolte brachte seine umfangreichen Kenntnisse im Verwaltungsrecht mit ein. Er machte deutlich, dass bei der Asylantragstellung bereits im Interview eine entscheidende Weichenstellung erfolgt, wenn man später einer Abschiebung erfolgreich entgegenwirken will. Jeder Flüchtling sollte umfassend und detailliert beschreiben, welcher Verfolgung und welchen Gefahren er in seinem Heimatland ausgesetzt war, sodass die mit einer Abschiebung verbundenen Bedrohungen bereits deutlich benannt sind. Ein späteres Vorbringen dieser Fakten wird nicht mehr berücksichtigt.

Sehr wichtig zur Verhinderung einer Abschiebung ist es, die bestehenden Fristen einzuhalten. Eine Klage muss immer rechtzeitig erfolgen. Die Botschaften oder die Petitionsausschüsse sind sinnvollerweise bereits vor der Klage zu informieren und einzuschalten, wenn Härtefälle vorliegen. Die Chance, eine vorübergehende Aussetzung der Abschiebung - die Duldung- nach § 60 a Aufenthaltsgesetz zu erreichen, besteht kaum noch, wenn bereits ein konkreter Abschiebetermin festgelegt wurde.

Eigene Erfahrungen ehrenamtlicher Helfer, die selbst auch schon erfolgreich Abschiebungen verhindern konnten, ergänzten den Vortrag. Die Teilnehmer waren froh über die Anregungen und die nützlichen Informationen.

Für alle Fragen war der Nachmittag nicht lang genug. Die Ehrenamtlichen, die aus Brilon, Olsberg, Marsberg, Hüsten, Meschede, Medebach und auch aus Soest und Arnsberg angereist waren, nutzten selbst die Pause mit Imbiss für den kollegialen Austausch.
Allen Unterstützern ist allerdings klar, dass sie leider auch in Zukunft immer wieder mit traurigen und schwierigen Erlebnissen fertig werden müssen. Denn es wird – trotz Schulungen - zu Abschiebungen kommen. Und die bringen Abschied und Trauer mit sich.

Rolf Plauth


Im großen Kreis der Flüchtlingshelfer fand Heinrich Nolte ein interessiertes Publikum.

Der sach-und fachkundige Referent

 
 
 
 
Endstation Abschiebung? - Handlungsmöglichkeiten bei gefährdetem Aufenthalt
 

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