25.08.2016

Wer bin ich als Mensch? Literaturgottesdienst im Kunstsommer greift Fragen zur Organtransplantation auf.


Die Offene Kirche Arnsberg und der Arbeitsbereich „Generation 30+. Kirche Mittendrin“ im Ev. Kirchenkreis Arnsberg haben wieder einen anregenden Literaturgottesdienst im Arnsberger Kunstsommer auf die Beine gestellt. Pfarrerin Gabriela Hirsch, Frauenreferentin und Leiterin des Projekts, blickte zur Begrüßung in eine volle Auferstehungskirche. „Wie finden Sie sich selbst? Wie viele sind Sie eigentlich? Sprechen Ihre Bestandteile miteinander?“ fragte sie und brachte die Frage nach der Identität ins Spiel. Das Thema „rund-erneuert“ war vom Kunstsommer vorgegeben. Das Team, diesmal waren Angela Hesse und Jutta Juchmann aus Arnsberg, Kerstin Buchbinder aus Menden und Heidrun Parplies und Karin Neumann-Arnoldi aus Meschede dabei, hatte dazu als theologisch-literarische Textgrundlage den Roman „Leben“ von David Wagner ausgewählt. Der Ich-Erzähler reflektiert vor und nach seiner Leber-Transplantation, wer er selbst ist, wie weit er als Person von seinen Organen und biochemischen Körper-Prozessen abhängt, und wie er zum Spender oder der Spenderin steht, der/die sterben musste, damit er besser weiterleben kann. Er ist 30 und weiß, "ohne neue Leber bin ich bald tot“. Vor der Operation muss er eine Einverständniserklärung in dreifacher Ausführung unterschreiben, ist sich aber unsiche,r ob er nach der Operation noch der sein wird, „der ich jetzt bin“. Nachher sieht er die Spenderin auf seinem Bett sitzen und stellt fest, dass sie Organgeschwister geworden sind. Zwischen großer Begeisterung und tiefer Depression schwanken seine Gefühle. Dass er Vater ist, macht ihm Mut zum Leben und Neugier auf „das viele, was da draußen noch ist.“ Zaghaft und gestärkt öffnet er sich dem neuen Leben.
„Ich glaube, so einen schweren Stoff haben wir bisher noch nicht bearbeitet“, meint Jutta Jochmann im Anschluss, ist jedoch froh, dass wie immer heitere Elemente den Gottesdienst aufgelockert haben. Begeistert reagierte die Gemeinde auf die Bauchladen-Verkäuferinnen, die "unkaputtbare" Ersatzteile für den Körper, „Botox to go“ für Lippen und Gesicht und Perücken anboten. Wer bin ich? Diese Frage wurde immer neu gestellt? Biblische Antworten fanden sich in den Psalmen: "Gott hat mich wunderbar gemacht“ und im Neuen Testament: Da wird der Körper als ablegbares Zelt beschrieben und eine  Frau empfängt von Jesus lebendiges Wasser, das den Lebensdurst stillt. Die Erschöpfung des Organempfängers hat Parallelen im Leben aller: Leere Gläser, Becher, Bierdosen und Weinflaschen standen für Erschöpfung aus Verzweiflung, Überarbeitung und Überdruss. Wer seinen eigenen Durst fühlte, bekam lebendiges Wasser ausgeschöpft. Gerne wurde das Angebot angenommen.

Die Kunstsommer-Gemeinde macht einfach gerne mit –neue geistliche Lieder schmetterten sie, unterhielten sich, während sie an der Quelle aufs Wasser warteten, und griffen gerne zu, als Blutorangensaft und Leberwurst, passend zum Thema, beim Imbiss angeboten wurden. Viele Gespräche hatte der Gottesdienst angeregt, Lach-und Beinmuskeln bewegt, denn bei der mal witzigen, mal nachdenklichen Musik der Saxophonisten Rita Pugarell, Mona Bruhn und Lukas Alex war es kaum möglich, die Beine stillzuhalten. Die reichhaltige Kollekte ging ans Arnsberger Hospiz Raphael.

Wer den Gottesdienst noch einmal erleben möchte, ist eingeladen, am Sonntag, 13. November um 9.30 Uhr zum Besonderen Gottesdienst in der Christuskirche, Meschede, Schützenstraße 10.

Bildergalerie       Text und Bilder: KKB


 
 
 
 
Wer bin ich als Mensch? Literaturgottesdienst im Kunstsommer greift Fragen zur Organtransplantation auf.
 

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