19.08.2014

Schokolade reimt sich auf Gnade-Betörender Literaturgottesdienst während des Arnsberger Kunstsommers


„Dürfen Gottesdienste sinnlich sein und Menschen betören?“ fragte Pfarrerin Gabriela Hirsch zu Beginn des Literaturgottesdienstes im Kunstsommer, der unter dem Motto „betörend“ in Arnsberg stattfindet. Betörend waren die Frauen des bewährten Gottesdienstteams gekleidet: High Heels und kleines Schwarzes, orientalische Flatterstoffe und figurbetonte rote, schwarze und bunte Hosen und Kleider. Eine Ecke des Altarraums war wie ein orientalisches Café gestaltet mit Samowar und Wasserpfeife, Beistelltisch mit Schokolade. Gegenüber das Lesepult. Zwischen kargem Pult und weichem Sessel ging der Dialog über Schokolade lebhaft hin und her. Darum, dass die so süß und schmackhaft ist, dass sie Hunger nach Liebe weckt und die Bereitschaft, das Leben anzunehmen in seiner Süße und mit seiner Leidenschaft. Die zwei Gegenspieler aus dem Roman „Chocolat“ stellten Stefan Selno aus Sundern und Iris Ackermann aus Meschede dar: den Priester Reynaud, der mit aller Kraft versucht, sein Leben und das Leben der Gemeindeglieder in Ordnung zu halten. Die Süße der Schokolade und vor allem die Lebensfreude von Vianne, die die Schokolade zubereitet und verkauft, hält er für anrüchig. Er will nicht, dass sie zu Ostern ein Schokoladenfest feiert. Gleichzeitig träumt er davon, wie er Schokolade isst, geradezu frisst und genießt. In der Osternacht will er das Schokoladengeschäft zerstören, doch er kommt nicht dazu - die Schokolade schmeckt zu gut. Nach dem Genuss von Schokolade jubelt er schon vor dem Ostergottesdienst: „Der Herr ist auferstanden.“
Die Gemeinde in der Auferstehungskirche lachte laut auf. Osterlachen. Das erklingt, wenn müde Menschen sich  wieder lebendig fühlen. Und genau das will der christliche Glaube. Deshalb darf es in der Kirche betörend zugehen.
Der Tor hat etwas mit der Betörung zu tun, deutete Pfarrerin Karin Neumann-Arnoldi und beschrieb liebevoll verrückte Menschen, die sich trauen, sich verrücken zu lassen durch Schokolade, durch Liebe von Gott und Menschen, durch Töne, die zusammen gesungen ein Klangbild entwickeln, auf dem es sich davonschweben lässt. Die Gemeinde brachte solch Töne hervor und lauschte den Gitarrentönen, die Dorothea Meyer aus Brilon erklingen ließ. Zart und lustvoll klang der Gemeindegesang. Biblisch-theologisch wurde das Betörende der Schokolade mit Gottes Liebe zur Liebe, wie das „Hohe Lied“ sie entfaltet, und poetischen Worten mittelalterlicher Mystikerinnen verknüpft, in deren Gesprächen zwischen Seele und Gott die Seele Gott einlädt, an ihrer Brust zu ruhen. 
Beate Horstmeier und Jutta Juchmann aus Arnsberg, Heidrun Parplies aus Meschede und Kerstin Buchbinder aus Menden, die gekonnt Texte und Gebete und die Schokoladenballade vortrugen, verteilten mit Spaß Schokolade an die Gottesdienstgemeinde.

Die Auferstehungskirche war fast bis auf den letzten Platz gefüllt mit Gemeindegliedern und Gästen des Kunstsommers, deren Applaus zeigte, dass im Gottesdienst sehr wohl von Lust und Liebe die Rede sein darf. Die reichhaltige Kollekte kommt dem kaufnett-Geschäft der Diakonie Ruhr-Hellweg e.V. in Arnsberg zugute. Bildergalerie 


Asketischer Priester und Chocolatière diskutieren vor den Ohren der Gemeinde.

Jutta Juchmann trägt die Ballade von der Schokolade vor.

 
 
 
 
Schokolade reimt sich auf Gnade-Betörender Literaturgottesdienst während des Arnsberger Kunstsommers
 

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