04.04.2015

Arnulf Zitelmann, Keiner dreht mich um. Die Lebensgeschichte des Martin Luther King Taschenbuch, 274 Seiten, Weinheim, 7,95€. ISBN-103-407-78901-7 (Kopie 1)


Am 4. April 1968 wurde Martin Luther King erschossen. Pfarrer King war nach Memphis gereist, um Müllarbeiter bei ihrem Streik zu unterstützen. Dort hielt er am 3. April seine letzte Rede. Am folgenden Tag wurde er auf dem Balkon seines Hotels erschossen. Damit wurde das Leben einer aufrechten, streitbaren Person ausgelöscht, aber auch die Basis für eine weltweite Wirkung gelegt. Arnulf Zitelmann hat King ein ergreifendes Buch gewidmet. Diese Biographie eignet sich hervorragend, sich Leben und Werk des baptistischen Theologen wieder in Erinnerung zu rufen.

Aufbau
Nach einer kurzen Einleitung folgen 10 Kapitel. Sie erfassen die Lebensabschnitte Kings von Kindheit bis zum Attentat. Darin sind z.B. die herausragenden Ereignisse erfasst wie der Busstreik von Montgomery (S. 53-89) und der Sternmarsch nach Washington mit der berühmten Rede (S. 169-189). Es folgen noch ein Anhang zu den Themen Nationalfeiertag für M. L. King ab 15. Jan 1986 und zur Frage nach dem verantwortlichen Täter. Eine Zeittafel und Literaturangaben bilden den Abschluss des Buches.

Einige Details
King ist am 15. Januar 1929 in Atlanta/ Georgia geboren. Er stammte aus einem Pfarrhaushalt. Er studierte Theologie, heiratete 1953 Coretta Scott King, 1954 wurde er Pastor in Montgomery/ Alabama und machte 1955 seinen Doktor.

Für King und seine Gemeinde wurde das Jahr 1955 zur ersten größeren Herausforderung. Der Konflikt wurde bekannt unter dem Namen „Busstreik von Montgomery“, der sich ca. ein Jahr lang hinzog (S. 53-89). Was war passiert?  Am 1. Dezember 1955 fuhr die Näherin Rosa Parks mit dem Bus von der Arbeit nach Hause. Unterwegs weigerte sie sich, einem Weißen Platz zu machen. Der Busfahrer stoppte, rief die Polizei und  Rosa wurde daraufhin verhaftet. Sie hatte gegen die Bestimmungen zur Rassentrennung und Bevorzugung von weißen Fahrgästen verstoßen. Im Konflikt war Rosa ruhig geblieben und sich nicht gegen die Exekutive gewehrt. In den folgenden Tagen bildete sich ein Bürgerprotest, der von King und seiner Gemeinde unterstützt wurde.  Am 5.12.1955  begann der Busstreik durch die schwarze Bevölkerung. Am ersten Tag werden nur 17 schwarze Bus-Fahrgäste in ganz Montgomery gezählt. Martin Luther King wurde zum Präsidenten des Bürgerausschusses zur Verbesserung der Beziehung zwischen den Rassen gewählt. Der Streik wurde bis zum 12. Dezember 1956 durchgeführt. Erst nachdem das oberste Verfassungsgericht die Gesetze zur Rassentrennung aufgehoben hatte, wurde er eingestellt. Rosa Parks hat damals ihre Arbeit als Näherin verloren, engagierte sich aber zeitlebens in der Bürgerrechtsbewegung und wurde dafür auch mehrmals ausgezeichnet.

Grund und Anstoß für Pastor King war die biblische Botschaft. Jesus von Nazareth verkörperte für ihn die Freundlichkeit Gottes in der Geschichte, die gelebte Geschwisterlichkeit gegenüber allen Menschen. Damit vertrug sich keine Rassentrennung und Unterdrückung einer ganzen Menschengruppe. Er war auch tief bewegt durch die Bergpredigt Jesu, die ihn grundsätzlich jede Gewalt ablehnen ließ.

Wie konsequent King und seine Freunde dieses gewaltfreie Vorgehen betrieben, wird in dem Kapitel „Birmingham und seine Kinder“ auf den S. 142-168 beschrieben. Diese Stadt war das Industriezentrum von Alabama. Die Bevölkerung bestand zu 40% aus Afro-Amerikanern. Die Rassentrennung gehörte zum Alltag und der Polizeikommissar Theophilus Eugene Connor war stolz auf seinen Spitznamen „Bull“ Connor. Er vertrat die Meinung „Eher wird Blut durch die Straßen fließen, als dass Birmingham die Rassentrennung aufhebt.“ (S. 142). Die „Christliche Führungskonferenz“ bereitete im Frühling 1963 einen „Feldzug des zivilen Ungehorsams“ vor, der mit dem 3. April begann. Acht Wochen lang dauerten die Proteste. Am Ende enthob das oberste Verwaltungsgericht die Stadtverwaltung und „Bull“ Connor ihrer Ämter.
Die Aktionen wurden gut vorbereitet. Alle Mitstreiter wurden geschult und auf die Prinzipien des gewaltlosen Widerstandes eigestellt. Allen sollte bewusst sein, dass der Gegner nicht vernichtet oder gedemütigt werden soll, dass die Aktionen sich gegen Unrecht und nicht gegen Personen richten und man bereit ist, Leid ohne Vergeltung hinzunehmen. Birmingham hatte große Signalwirkung auf die nationale Politik. Es war die Zeit der Kennedys in Washington.

Meine Empfehlung
Der Verlag empfiehlt dieses Buch für die Altersgruppe der 14-17jährigen. Für diese jungen Leute stellt diese Lektüre sicher einen großen Gewinn dar. Es kann gut zu Konfirmation, Geburtstag und anderen Anlässen verschenkt werden. Aber ich bin sicher, dass auch jeder Erwachsene von dem Buch gefesselt wird. Die Kraft der Bürgerrechtsbewegung, ihre theologische Entschiedenheit und authentische gewaltfreie Überzeugung sind die richtige Inspiration für Menschen heute, die nach Orientierung in den vielen aktuellen Gewaltkonflikten fragen.

 

 

 

Wilfried Oertel   


 
 
 
 
Arnulf Zitelmann, Keiner dreht mich um. Die Lebensgeschichte des Martin Luther King Taschenbuch, 274 Seiten, Weinheim, 7,95€. ISBN-103-407-78901-7 (Kopie 1)
 

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