04.08.2013

Religiöse Sprachlehre von Hubertus Halbfas


Hubertus Halbfas, Religiöse Sprachlehre – Theorie und Praxis
Patmos-Verlag 2012, 392 Seiten. 30,00€

Ein Buch – für wen?
Der Titel des Buches klingt trocken. Wer allerdings denkt, es sei nur an Philologen und akademische Experten gerichtet, der täuscht sich. Es liest sich spannend. Und ich ermutige die interessierten Menschen auch ausdrücklich dazu, es in Auszügen zu lesen oder da einzusteigen, wo man sich besonders angesprochen fühlt. Halbfas hat es geschrieben für Menschen, die nach einem angemessenen Verständnis biblischer Geschichten und Texte fragen, ja darum ringen. Er hat all die Menschen im Blick, für die Glaube eine lebendige Angelegenheit ist. Genauso wie Füße wachsen und wir neue, bequeme Schuhe brauchen, so will auch unser Glauben wachsen und braucht gelegentlich eine neue Gestalt.

Der Ansatz
Halbfas setzt bei Sprache ein und bei Texten als verfestigter Sprache. Konkret: wenn wir biblische Texte lesen, als was begreifen wir diese? Lesen wir sie als Berichte und verstehen wir die dargestellten Ereignisse als Tatsachen, so werden wir uns „bald in einem Zaubergarten“ wiederfinden (177). Der Autor schärft den Blick dafür, dass wir in der Bibel auf verschiedene Erzählformen stoßen, die natürlich im Raum von Sprache und Text gestaltet sind. Nur ein angemessenes Verstehen schließt uns diese biblischen Geschichten auf und verhindert, dass wir uns in diesem „Zaubergarten“ von wundersamen Begebenheiten verlieren. Die Konsequenzen wären, entweder die biblische Lektüre aufzugeben oder unseren Verstand zu vergewaltigen und Gott zum Zauberer zu machen. Das schwebt Halbfas nicht vor. Sein Projekt ist es, „die eigenen Fragen und Zweifel“ gerade von Jugendlichen im Religionsunterricht und von Gottesdienstbesuchern ernst zu nehmen (183).

Der Gedankengang
Im Buch entfaltet Halbfas den Bogen vom Allgemeinen zum Konkreten. Leitend ist die Frage, welchen Weg Sprache im Prozess der Menschwerdung genommen hat, er kommt dann zu den Sprachformen und wendet sich anschließend den biblischen Sprachformen zu. Den letzten Schwerpunkt bildet eine Darlegung dogmatischer Sprache. Hierbei mündet sein Gedankengang in eine Auslegung des Apostolischen Glaubensbekenntnisses als Summe seiner Gedankenführung.

Bibel – Wort Gottes?
Halbfas ist ein überzeugter Vertreter einer historisch-kritischen Betrachtung biblischer Texte. Die Bibel ist gewordene Literatur, ihr wohnt eine Entstehungsgeschichte inne und sie ist „Wort für Wort, Satz für Satz…Menschenwort…“ (180). Er bedauert, dass die Ergebnisse und Konsequenzen dieser Betrachtungsweise zwar im akademischen Raum anerkannt sind, aber unter der Kanzel und in der Gesellschaft noch keine allgemeine Normalität erworben haben. Sein Buch „Religiöse Sprachlehre“ will das befördern. Es hilft, in der Bibel die verschiedenen Sprach- und Textformen zu unterscheiden und angemessen zu verstehen. Damit können biblische Geschichten wieder anfangen, zu uns zu sprechen. Das muss keine Angst erzeugen, sondern wird zu einem neuen, vertieften und lebendigen Glauben verhelfen. In diesem Zusammenhang formuliert Halbfas einen beachtenswerten Satz: „Weder ist die Bibel ´Wort Gottes´, noch enthält sie partiell das ´Wort Gottes´. Es handelt sich nicht um einen objektiven Tatbestand, vielmehr kann nur der einzelne Mensch in persönlicher Entscheidung einem biblischen Wort jene Zustimmung geben, mit dem er das eigene Leben einem unbedingten Anspruch unterstellt.“ (180f.).

Ein wacher Autor
Vielen Menschen im Hochsauerlandkreis ist Hubertus Halbfas als engagierter und streitbarer Christ bekannt. Zuletzt hat er sich mehrfach in der Zeitschrift des Sauerländer Heimatbundes zu Fragen der pastoralen Räume auf katholischer Seite zu Wort gemeldet. Außerdem hat er am 27. Juni 2013 einen sehr wachen Vortrag in Meschede zu diesem Thema gehalten. Halbfas befindet sich in hohem Alter, aber wer so lebendig im Geiste ist, der kann sich glücklich schätzen. Das hier besprochene Buch zeugt von dieser Lebendigkeit des Autors.

Wilfried Oertel

     


 
 
 
 
Religiöse Sprachlehre von Hubertus Halbfas
 

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