23.10.2017

Aus Gesten müssen Gesetzesänderungen entstehen


Meschede. Als Lebensexperte sprach Hans Endreß im ökumenischen „kreuz& quer“-Gottesdienst im Oktober im Gemeinsamen Kirchenzentrum. Unter dem Titel: „Versöhnt miteinander?!“ ging es um die Folgen der Reformation. Endreß ist evangelisch und seine Frau Mechthild katholisch. Sie beschlossen „frühzeitig, eine konfessionsverbindende Ehe zu führen, nach dem bestehenden Gedankenmodell der versöhnten Verschiedenheit“. In Meschede fühlen sie sich in allen Kirchen, der Abtei und dem Gemeinsamen Kirchenzentrum wohl. Sie leiden allerdings darunter, dass sie nur, wenn verständnisvolle Seelsorger Ihnen die die Erlaubnis geben, gemeinsam „an den Tisch des Herrn“ treten dürfen. Endreß wünscht sich, dass „ die vielen gegenseitigen Gesten und Bekundungen der Konfessionen nach dem Reformationsjubiläum baldige Folgen haben, wie den Kommunionempfang für jeden getauften Christen. Hinter diesem Wunsch steht die gesamte Gemeinde, die sich einmal im Monat samstags abends zum „kreuz& quer“- Gottesdienst einfindet. Hier wird gemeinsam gebetet, gesungen. Pastoren und Gemeindeglieder, katholische und evangelische, gestalten die liturgischen Teile. Statt einer Predigt sprechen oft „Lebensexperten“ fach-und sachkundig als Christen zum jeweiligen Thema. Im Monat des Reformationsjubiläums waren es eben Menschen, die unter der Spaltung der Konfessionen leiden. „Wir begehen das Jubiläum ökumenisch“, hatte Hartmut Köllner, evangelischer Pfarrer im Ruhestand, bei der Begrüßung formuliert: „Wir feiern nicht die Geburtsstunde der evangelischen Kirche, sondern wir feiern gemeinsam Jesus Christus“. Der Gottesdienst würdigte „die großen Fortschritte der Ökumene in den letzten Jahrzehnten“, brachte aber auch die schlimmen Folgen der Trennung vor Gott. Klagen über Religionskriege, Ausgrenzungen und Verfolgung stellten die Betenden der Hoffnung gegenüber, dass Gott die Zukunft allen Lebens ist, und riefen gemeinsam: „Dein Reich komme, Herr.“ Als zweite Expertin erzählte Margot Bell aus ihrem Leben. Sie ist Pfarrerin für Mission, Ökumene und Weltverantwortung in den Ev. Kirchenkreisen Soest und Arnsberg. Als Theologiestudentin lernte sie in den 70-er Jahren ihren heutigen Mann kennen. Er war damals katholisch. Sie wollten heiraten. Vorher mussten sie sich entscheiden: Entweder musste er evangelisch werden oder sie ihren Berufswunsch aufgeben. Ihr Mann konvertierte ganz bewusst, aber seine Eltern litten sehr, denn für sie galt: „Es gibt kein Heil außerhalb der katholischen Kirche.“ Jeder Gottesdienst, an dem das Paar mit seinen Eltern teilnahm, riss die Wunde der Trennung auf. Heute hat die Evangelische Kirche ihre Gesetze verändert. Pfarrer und Pfarrerinnen dürfen Katholiken heiraten. Grundsätzlich fragte Margot Bell: „Was können wir weiter tun, damit wir als Kirchen Menschen nicht mehr in Ängste und Krisen stürzen, sondern die Menschenfreundlichkeit Gottes, die Jesus gelebt hat, weitergeben?“
In jedem „kreuz& quer“- Gottesdienst danken Protestanten und Katholiken Gott für Brot und Traubensaft und teilen sie beim Agapemahl in Tischgruppen. „Das wenigstens können wir tun“, sagt eine Gottesdienstbesucherin. Auch für sie ist es höchste Zeit, dass von offizieller Seite Gastfreundschaft am Altar zugelassen wird. KKB

Am Altar gestalten den „kreuz&quer“-Gottesdienst: Anne Hemme, Hartmut Köllner, Elisabeth Olbricht-Cross und Margot Bell     Bild: Kathrin Koppe-Bäumer


Am Altar gestalten den „kreuz&quer“-Gottesdienst: Anne Hemme, Hartmut Köllner, Elisabeth Olbricht-Cross und Margot Bell Bild: Kathrin Koppe-Bäumer

Musik von Anne Borghoff und Monika Bonk-Wedeking

 
 
 
 
Aus Gesten müssen Gesetzesänderungen entstehen
 

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