01.11.2017

Am Jubiläums-Reformationsfest ökumenische Arbeitsgemeinschaft gegründet


Brilon. Am Reformationstag 2017 unterzeichneten in der Evangelischen Stadtkirche Pfarrer Rainer Müller, Evangelische Kirchengemeinde Brilon, Dr. Reinhard Richter, Propst der Pfarrei St. Petrus und Andreas, Pastoralverbund Brilon, Dechant Michael Kleineidam, Pastoralverbund Thülen und Hirte Erik Stehfest, Neuapostolische Kirche Brilon, im Anschluss an den Ökumenischen Gottesdienst zum 500-jährigen Reformationsjubiläum die Gründungsurkunde der ACK Brilon.

Die Arbeitsgemeinschaft  Christlicher Kirchen in Deutschland  (ACK), die sich am 10. März 1948 konstituierte, bestand damals aus fünf Mitgliedskirchen, heute sind es 17. Aktueller Vorsitzender der ACK ist seit 2013 Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann, Speyer. Fünf Monate nach der ACK gründete sich im August 1948 in Amsterdam der Ökumenische Rat der Kirchen mit Sitz in Genf. Ziel beider Organisationen ist eine stärkere Einheit der Christen.

Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen ist von ihrer Logik her dem ökumenischen Gedanken verpflichtet, unabhängig von ihrer Größe gelten alle Mitglieder der ACK als gleichberechtigte Partner. In Fragen des Glaubensverständnisses fühlen sie sich im offenen Gespräch geschwisterlich verbunden und stehen gemeinsam zur missionarischen Verantwortung, allerdings ohne gegenseitige Abwerbungsversuche. Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung und das Ziel einer gerechten Gemeinschaft von Frauen und Männern in der Kirche bilden – neben weiteren Verpflichtungen – wichtige Grundlagen der ökumenischen Zusammenarbeit.

Unter dem Leitwort „Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Christus“ eröffnete Pfarrer Rainer Müller den ökumenischen Gottesdienst an diesem besonderen Reformationstag. Bevor die Gemeinde „Ein feste Burg ist unser Gott“ anstimmte, wies Pfarrer Müller darauf hin, dass Luthers Lied von ihm nicht als ein Kampflied zur Reformation gemeint war, sondern als Trostlied. Und die Gemeinde schmetterte aus vollem Herzen diesen protestantischen Klassiker, den Luther auf der Basis von Psalm 46 schuf.

Zur Untermalung seiner Ansprache zog Propst Dr. Reinhard Richter einen „Beutel der Erneuerung unserer Kirche“ hervor, vorne geschmückt mit dem Kreuz Christi in unterschiedlichen Farben und Formen. Propst Dr. Richter ging auf Verbindendes und Trennendes der beiden großen Konfessionen ein, festgemacht an ganz persönlichen Begegnungen.

Mit spürbarem Enthusiasmus gestalteten der Madrigalchor Brilon und das Briloner Saxophonsextett, unter Leitung von Armin Vogel, den Gottesdienst musikalisch. An der Orgel Michael Gumenjuk, auch Leiter des Madrigalchores.

Die Frage „Welche positiven Aspekte können Sie Luthers Reformation abgewinnen?“ wurde von den Geistlichen u.a. so beantwortet: Die Reformation habe auch die katholische Kirche veranlasst, neu über den Glauben nachzudenken. Die Kernfragen des christlichen Glaubens seien neu durchdacht worden, der Blick geschärft, gerade auch das Neue Testament intensiver in den Blick genommen worden. Propst Dr. Richter wies darauf hin, dass Bildung durch Luther einen großen Stellenwert erhalten habe, auch in der breiten Bevölkerung. Das Theologiestudium für Priester wurde eingeführt. Bei der Beantwortung der Frage, ob die örtliche ACK z.B. auch in puncto Reduzierung der Kirchenaustritte etwas bewirken könne, waren sich die Geistlichen einig: Die gewohnte Volkskirche gebe es so nicht mehr. Auch wenn Eltern heute ihre Kinder taufen ließen, so sei das keine Gewähr dafür, dass christliche Werte und  Bräuche in der Familie gelebt werden. Die Kirche werde sich wandeln. Ein „Kuschelkurs“ sei keine Antwort auf diese Veränderungen. Jeder müsse sich neu fragen: „Was macht mich zum Christen? Was macht Kirche für mich aus?“ Dechant Michael Kleineidam: „Der Glaube gibt Hoffnung und Trost für den, der sich darauf einlässt.“

Und was plant die Briloner ACK an Schritten und Aktivitäten für die nähere Zukunft? Pfarrer Rainer Müller: „Ein ökumenischer Jahreskalender ist in Arbeit.“ Die Briloner Theologen betonten, dass die Zusammenarbeit schon jetzt sehr gut sei, z. B. bei ökumenischen Trauungen. So manche ökumenische Zusammenarbeit sei für die Öffentlichkeit nicht sichtbar, aber sie existiere. Ob Bischof Dr. Wiesemann Zeit für einen Besuch der örtlichen ACK erübrigen könne, wurde eher skeptisch gesehen, aber die Briloner ACK sei schon jetzt sehr gut vernetzt. Am 18. Januar 2018 wird in Brilon ein Ökumenischer Gottesdienst zur Einheit der Kirche stattfinden.CP


Die katholischen, neu-apostolischen und evangelischen Partner

unterschreiben die Urkunde:

Dr. Reinhard Richter, Erik Stehfest, Rainer Müller und Michael Kleineidam

Die Urkunde - Bilder: C. Piontek

 
 
 
 
Am Jubiläums-Reformationsfest ökumenische Arbeitsgemeinschaft gegründet
 

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