17.05.2017

Liebe auf den zweiten Blick - Kaum Widersprüche bei Synodalversammlung zum Zusammenschluss der Kirchenkreise


Soest/Arnsberg. So ein wenig erinnert das Verfahren an einen Marathonlauf. Als die beiden Kreissynoden der Kirchenkreise Soest und Arnsberg im November 2015 den Beschluss gefasst haben, einen Zusammenschluss zu prüfen, da wussten alle Beteiligten, dass man einen langen und zum Teil auch steinigen Weg vor sich haben würde. Inzwischen ist das Verfahren auf die Zielgerade eingebogen. Aber wie bei einem Marathonlauf kommt es nun darauf an, auf den letzten Metern nicht mehr zu stolpern; erfolgreich kann man nur sein, wenn die Ziellinie auch überquert wird.

Zumindest bei der Synodalversammlung in Warstein am Samstag im Melanchthon-Gemeindehaus wurden keine Stolpersteine ausgemacht. Allerdings wurde auch deutlich, dass selbst bei einem positiven Votum der beiden Kreissynoden am 6. Juli (Soest) und 8. Juli (Arnsberg) die eigentliche Arbeit erst anfängt. „Deshalb“, so der Arnsberger Superintendent Alfred Hammer, „haben wir auch das gesamte Jahr 2018 noch Zeit, um an den Details zu feilen.“

Knapp 150 Interessierte füllten am Samstag das Gemeindehaus. Alfred Hammer erinnerte in seiner Einführung noch einmal daran, dass der Zusammenschluss sicherlich nicht gleich „die Liebe auf den ersten Blick“ gewesen sei. Inzwischen aber sei es der Blick der Vernunft, mit dem der Prozess betrachtet werde und auch betrachtet werden müsse.

Die anfängliche Skepsis auf beiden Seiten, ob ein vereinigter Kirchenkreis denn Sinn mache und ob das gutgehen könne, sei inzwischen einer konstruktiven Zusammenarbeit auf Augenhöhe gewichen: „Gott hat uns die Augen für einander geöffnet. Da ist wirklich etwas zusammengewachsen. Längst heißt es nicht mehr: die da, sondern wir sprechen von wir.“

Dass die Diskussion in den einzelnen Fachbereichen, Kirchengemeinden und Presbyterien auch mit viel Emotionen und Empathie geführt wird, ist natürlich auch den Mitgliedern der vierzehnköpfigen Planungsgruppe nicht verborgen geblieben.

Die Stellungnahmen aus den Gemeinden und Fachbereichen allerdings, so berichtete der Soester Superintendent Dieter Tometten, hielten dabei die Vereinigung der Kirchenkreise durchweg für erforderlich, sinnvoll oder zumindest unvermeidlich.

Auch deshalb ist die Planungsgruppe davon überzeugt, dass das nun vorliegende Konzept die Kirchengemeinden in ihren vielfältigen Aufgaben stärken und bestärken werde. „Keiner hat den anderen über den Tisch gezogen“, lobte Hammer in diesem Zusammenhang das Gesprächsklima in der Planungsgruppe.

Tometten betonte, dass der Zeitpunkt des Zusammenschlusses jetzt besonders günstig sei, weil die aktuellen Rahmenbedingungen viel Gestaltungsraum bieten würden: „Es wird garantiert nicht besser, wenn wir weiter warten. Wir agieren jetzt, um nicht in absehbarer Zeit mit deutlich weniger Gestaltungsmöglichkeiten reagieren zu müssen.“ Das Risiko, dass in Zukunft kirchliche Handlungsfelder reduziert werden müssen, werde durch den vereinigten Kirchenkreis deutlich minimiert: „In den jetzigen Strukturen müssten einige Aufgaben mittelfristig vermutlich ganz gestrichen werden“, so Tometten.

Intensiv und zielorientiert, so der Superintendent aus Soest, habe sich die Planungsgruppe mit den Stellungnahmen, Änderungswünschen und Anregungen aus den Kirchengemeinden und Fachbereichen auseinandergesetzt: „Wir haben uns sehr bemüht, möglichst viele Interessen zu berücksichtigen.“

Exemplarisch werde dieses Bemühen bei den Jugendkirchen und der kirchlichen Jugendarbeit deutlich. Tometten: „Dieser Bereich hat uns bis zuletzt beschäftigt und war vielleicht die höchste Hürde, die wir nehmen mussten.“ Den Beteiligten sei es enorm wichtig, sowohl die Jugendkirchen zu erhalten als auch die Jugendarbeit in den Gemeinden zu stärken, um möglichst viele Jugendliche zu erreichen. Auf mittelfristige Sicht gesehen könne dies nun gelingen, erklärte Tometten. „Wichtig ist uns diesem Zusammenhang aber auch, dass wir nicht Strukturen sichern, sondern die Menschen ansprechen wollen. Denn  das ist unsere Aufgabe.“

Offen ist derzeit noch, wie der neue Kirchenkreis heißen soll. Die Planungsgruppe hat einen am Alphabet orientierten, pragmatischen Vorschlag gemacht: Evangelischer Kirchenkreis Arnsberg-Soest. Bis zum 9. Juni können noch andere Vorschläge eingereicht werden. Allerdings  sind der Phantasie hierbei enge Grenzen gesetzt. Die landeskirchlichen Vorgaben für Kirchenkreise erlauben nämlich weder Fantasienamen noch  Landschaftsbezeichnungen (Hellweg, Sauerland).

Wie geht es nun weiter? Den Beschlüssen der Synoden im Juli müssen anschließend die Presbyterien zustimmen. Sollte es Presbyterien geben, die den Zusammenschluss ablehnen, so wird die Landeskirche in ihrer Herbstsynode entscheiden, ob es einen vereinigten Kirchenkreis Arnsberg-Soest geben wird.

Text und Bilder: HAL


Das Melanchthon-Gemeindehaus in Warstein war voll besetzt.

Intensiv nutzten die Teilnehmer die Möglichkeit, kritische Fragen zu stellen und Anregungen zu geben.

Intensiv hat sich die Planungsgruppe unter der Leitung der beiden Superintendenten Dieter Tometten und Alfred Hammer mit den Stellungnahmen befasst.

Superintendent Hammer mit Verwaltungsleiter Bernd Göbert.

Wie der Arnsberger Superintendent steht auch der Soester Kollege hinter dem Projektpapier.

 
 
 
 
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