02.12.2016

Kirchenasyl als letzte Rettung - Ehrenamtliche informieren sich über Bedingungen und Risiken


Soest/Arnsberg. Kirchenasyl - oft ist das die letzte Möglichkeit, einen Flüchtling oder auch ganze Familien vor der Abschiebung zu bewahren. Aber wie richtet man ein Kirchenasyl ein? Was muss man beachten? Welche Risiken und Gefahren birgt es? Fragen über Fragen, die sich aktuell in vielen Kirchengemeinden stellen, denn der Bedarf nach Plätzen im Kirchenasyl wächst stetig. Hintergrund hierfür ist eine deutlich verschärfte Abschiebepolitik.

Gemeinsam haben daher die Synodalbeauftragten der beiden Kirchenkreise Arnsberg und Soest in der ehrenamtlichen Flüchtlingsunterstützung, Franziska Pich, Susanne Willmes und Hans-Albert Limbrock, mit den Diakoniepfarrern Margot Bell und Peter Sinn eine Veranstaltung angeboten, in der eine Vielzahl von Fragen beantwortet werden konnten.

Ehrenamtliche aus Marsberg, Brilon, Sundern, Arnsberg, Soest oder Werl waren dazu in das Gemeindehaus der Christuskirche in Neheim gekommen, um Informationen aus erster Hand zu bekommen. Die garantierte in erster Linie Pfarrer Joachim Poggenklaß vom Ökumenischen Netzwerk Bielefeld.

Anschaulich verdeutlichte Poggenklaß, dass sich die Bedingungen, um als Flüchtling in Deutschland anerkannt zu werden, in den vergangenen Monaten deutlich verschärft haben. Es sei ganz offenbar politischer Wille, möglichst viele Flüchtlinge wieder in ihre Heimatländer oder aber in die Länder zurückzuführen, in denen sie zuerst europäischen Boden betreten haben. In der Regel sind dies Griechenland und Italien.

Selbst Flüchtlinge aus Afghanistan, dem Irak oder aus Syrien könnten sich heute nicht mehr sicher sein, in Deutschland Asyl zu bekommen. Poggenklaß: „Die Stimmung hat sich drastisch verändert. Noch vor einem Jahr konnte man ja den Eindruck haben, dass wir zunächst einmal jeden aufnehmen. Das gilt nicht mehr.“

Vielfach sei das Kirchenasyl dann die letzte Möglichkeit, einen Menschen, dem bei Abschiebung „Gefahr an Leib und Leben droht“, zu schützen. Poggenklaß selbst hat schon Dutzende Kirchenasyle begleitet, meist mit Erfolg. Wichtig sei, dass das Kirchenasyl eine offizielle und legale Möglichkeit sei: „Wir verstecken keine Leute vor den Behörden. Das wäre Beihilfe zu einem illegale Aufenthalt.“

Praktische Erfahrungen mit einem Kirchenasyl haben auch Pfarrer Christoph Lichterfeld (Werl) und Jörg Schünemann (Presbyter aus Marsberg) bereits gemacht. Das Fazit: Mit der richtigen Vorbereitung und der notwendigen Unterstützung der Kirchengemeinde kann von Abschiebung bedrohten Menschen wirkungsvoll geholfen werden: „Das Kirchenasyl hat in Marsberg funktioniert und wir konnten als Gemeinde etwas bewirken“, berichtete Schünemann. Ähnlich hat es auch Lichterfeld in Werl erlebt: „Es war kein Selbstläufer, aber es hat funktioniert.“

Hautnah und eindringlich schilderte zudem ein junger Mann aus Afghanistan seine Erfahrungen im mehrmonatigen Kirchenasyl in Werl: „Anfangs war es sehr schwer für mich. Aber mit der Zeit wurde es besser. Für mich war das Kirchenasyl wirklich die Rettung, wofür ich sehr dankbar bin.“(Lim)

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Pfarrer Joachim Poggenklaß berichtete über Chancen und Risiken eines Kirchenasyls. Fotos: Hans-Albert Limbrock

Diakoniepfarrer Peter Sinn führte in die Veranstaltung zum Thema Kirchenasyl ein.

Mit verschiedenen Formen setzten sich die Teilnehmer der Veranstaltung mit dem Thema Kirchenasyl auseinander.

Bei uns hat es funktioniert: Jörg Schünemann ist Presbyter in Marsberg und berichtete über seine Erfahrungen mit dem Thema Kirchenasyl.

 
 
 
 
Kirchenasyl als letzte Rettung - Ehrenamtliche informieren sich über Bedingungen und Risiken
 

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