31.08.2016

Was kann ich tun? Was muss ich lassen? - Sexualität in der Flüchtlingsarbeit: Seminar zu heiklen Situationen und schwierigen Fakten.


Meschede. Sieben Frauen und zwei Männer aus Olsberg, Brilon, Schmallenberg, Meschede, Arnsberg, Neheim, Unna und Paderborn nahmen teil am Seminar „Sexualität in der Flüchtlingsarbeit“. Alle sind Integrationspatinnen oder Koordinatoren ehrenamtlicher Arbeit in Gemeinden und im Kirchenkreis Arnsberg. Sehr unterschiedlich sind ihre persönlichen Geschichten und Bedürfnisse. Die einen wünschen sich handfeste Auskünfte, wie sie handeln und was sie sagen können, wenn zwischen Flüchtlingen und Ehrenamtlichen ein Konflikt über Sexualität entsteht. Andere machen sich Gedanken über die Dynamik der deutschen Grundrechte: Wie passen das Recht auf Gleichheit von Mann und Frau zusammen mit dem Recht auf Achtung der Würde von Menschen mit unterschiedlichen Vorstellungen über den Umgang der Geschlechter?
Was kann ein sechsstündiges Seminar da bieten? Susanne Schulze von der Ev. Erwachsenenbildung, Diakoniepfarrer Peter Sinn und Beraterin Ellen Mendelin-Plauth von der Diakonie-Ruhr-Hellweg, die letzten beiden sind Ansprechpersonen gegen sexuelle Gewalt und Belästigung in der Kirche, hatten ein Programm geplant, waren aber auch bereit, spontan auf Anfragen einzugehen. „Da kommt es dann manchmal zu unerwarteten Kurven und Umwegen im Gespräch“, kommentiert Peter Sinn. Sehr hilfreich für diesen Tag war die Mitarbeit von Abir Al-Lahib, einer 35jährigen Syrerin, die gerade ihre Master-Arbeit über Integrationsschwierigkeiten erfolgreich verteidigt hatte.
Zu Beginn des Tages sollten die Teilnehmenden in die Rolle von Anwälten zu schlüpfen. Mit welchen Argumenten können Sie die Täter aus der Kölner Silvesternacht verteidigen? Die Aufgabe konfrontierte die Gruppe, mit eigenen Vorurteilen, Ansprüchen und Wertvorstellungen. Im zweiten Teil des Tages ging es um Überlegungen zu zwei praktischen Fallschilderungen: Wie reagieren Sie, wenn Sie als Mitarbeiter von der Traumatisierung eines Mädchen hören, was tun Sie, wenn Ihnen auffällt, dass ein Mitarbeiter oder ein Flüchtling sich auffällig oder übergriffig gegenüber anderen verhält?
Das Team bot den Teilnehmenden Notfallrichtlinien. Diese reduzierten sie anschließend auf  vier Aspekte: Zunächst solle sich niemand zeitlich unter Druck setzen lassen,  Informationen aufschreiben und überlegen: Wer hat die fachliche Kompetenz, sich mit dem betroffenen Menschen oder mit der Konfliktlage auseinanderzusetzen? Wo bekomme ich als ehrenamtlicher Helfer Hilfe für mich selbst?

Ehrenamtliche müssen ihre eigenen Grenzen wahrnehmen, auch wenn der Umgang mit Flüchtlingen, zu denen sie eine persönliche Beziehung aufnehmen, es immer wieder schwer macht, einen professionellen Abstand einzuhalten. „Das aber müssen wir lernen und fördern“, hielt Rolf Plauth fest, Briloner Koordinator der Arbeit mit Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit.
Fazit: Der Tag bot einen offenen Austausch mit einer Fülle an Zugängen zum Thema und an Informationen. Eine Teilnehmerin meldete zurück: „Das ist sehr viel für nur einen Fortbildungstag.“

Text und Bild: KKB

 

 


Bei sommerlich heißem Wetter befasste sich das Seminar mit einem heißen Thema. Bild: KKB

 
 
 
 
Was kann ich tun? Was muss ich lassen? - Sexualität in der Flüchtlingsarbeit: Seminar zu heiklen Situationen und schwierigen Fakten.
 

Kirchenkreis Arnsberg - Impressum