28.12.2015

Kirche wird zur Herberge - Arnsberger Erlöserkirche wird entwidmet


ARNSBERG. Nachdem das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde im November  beschlossen hatte, ab 1. Januar die Erlöserkirche und das benachbarte Gemeindehaus der Stadt zur Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen, versammelte sich am Sonntag nach Weihnachten die Gemeinde zum letzten Mal dort und entwidmete die Kirche in einem würdigen  Gottesdient. Damit ist die Gemeinde einen Schritt weiter im Hinblick auf ihr Ziel, in Zukunft nur noch die Auferstehungskirche für Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen zu ertüchtigen und  vorzuhalten. Mit der externen Architektin Brunhilde Meier hat das Presbyterium diese Strategie zur Zukunftssicherung der Gemeindegebäude entwickelt. Mit ihr, Vertretern der Gemeindegruppen und interessierten Gemeindegliedern wird am 17. Januar ein Planungstag zur baulichen Weiterentwicklung der Auferstehungskirche stattfinden.

Am letzten Sonntag dieses Jahres  ging es allerdings zunächst - mitten in der  eigentlich frohen Weihnachtszeit- um  Trauer. Pfarrer Johannes Böhnke fiel es sichtlich schwer, sich nach 13 Dienstjahren von der Erlöserkirche zu  verabschieden. Die konzentrierte Atmosphäre dieser Kirche mit ihrer wohl überlegten Architektur habe es ihm möglich gemacht, sich zu öffnen. „ Hier kommt eine Gemeinde zusammen, die zuhört.“
Alle Bänke waren mit aufmerksam zuhörenden und traurigen Gemeindegliedern besetzt. Pfarrerin Claudia Schäfer, die Pfarrer Martin Schäfer und Wolfram Sievert, Prädikant Christoph Decker und Mitglieder des Presbyteriums gestalteten mit Böhnke den Gottesdienst. Sie erinnerten an Konfirmationen, Taufen, Trauungen, Trauerfeiern und die zahlreichen Besuchen aus Bethel. 48 Jahre lang war die wie ein Zelt gebaute Kirche mit ihren bunten Lichtbändern zwischen der Decke und den Außenwänden nach dem zweiten Weltkrieg Heimat für  Flüchtlinge und Vertriebene  aus dem Osten Deutschlands und in den 90-er-Jahren für Russlanddeutschen.

Alfred Hammer, Superintendent im Kirchenkreis Arnsberg, erreichte mit seiner Predigt die Herzen der Arnsberger: Das Presbyterium habe den Beschluss, die Kirche aufzugeben, unter Tränen gefasst. Er lobte den Mut, so die Zukunft der Gemeinde zu sichern. Mutig seien die Gemeindeglieder auch schon beim Bau der Kirche gewesen. Über 100 000 DM hatten sie damals zusammengetragen und auch danach die Kirche dank großer Eigeninitiative und eines Fördervereins erhalten.  Als Marsberger Gemeindepfarrer weiß er, wie traurig eine Entwidmung für eine Gemeinde und ihr Presbyterium ist.  Die Erlöserkirche ist die siebte Kirche, die er in seiner fünfjährigen Amtszeit als Superintendent entwidmet hat. Trost ist für ihn, dass die Gemeinde zwar die Kirche, nicht aber ihren Glauben verliere. Den könne niemand den Arnsbergern nehmen. Trotzdem verordnete er ihnen jetzt keine Freude: „Jetzt hat die Trauer ihr Recht.“ Begleitet von Christus und in Gemeinschaft könne die Gemeinde  sie ertragen und von Tag zu Tag mehr „Ja“ zur Veränderung von Kirche und Gemeindehaus sagen.  „Dieses Haus wird ein Haus des Friedens bleiben. Menschen, die ihre Heimat verloren haben, werden hier unter dem Schatten von Gottes Flügeln Zuflucht finden.“ Wie Maria und Josef mit dem neugeborenen Jesuskind auf ihrer Flucht in Ägypten Herberge gefunden hätten, so würden jetzt Heimatlose hier Schutz finden.
Mitglieder des Presbyteriums und der Pfadfinder trugen die  Altarbibel und –kerzen, das Taufbecken , die Osterkerze und die Abendmahlsgeräte in einer feierlichen Prozession aus der Erlöserkirche. In der Auferstehungskirche fanden diese Zeichen für Gottes Nähe einen würdigen Platz. Dort endete auch der Gottesdienst mit der Abendmahlsfeier, Segen und einem Stärkungsmahl. Rosemarie Goldner, die stellvertretende Bürgermeisterin, drückte ihre Anteilnahme aus und ihre Hoffnung, demnächst Gemeindegliedern als Helfern der Flüchtlinge in der Erlöserkirche wieder zu begegnen.

Der Planungstag am Sonntag, 17. Januar in der Auferstehungskirche beginnt um 10.00 Uhr mit einem Gottesdienst. Das Programm enthält auch spielerische Elemente. Es sollen am Modell und in der Kirche selbst  Gestaltungsideen ausprobiert werden. Ein Mittagessen wird angeboten.

Text: KKB      Bidergalerie


Auszug mit den liturgischen Elementen aus der Erlöserkirche

Einzug in die Auferstehungskirche

 
 
 
 
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