13.05.2014

„Klein aber oho!“- Kirchenkreis Arnsberg wird 50 - Präses gratuliert


Der Kirchenkreis feiert das Jubiläum mit einem Festakt am 11. Juni, einem Jubiläumsfest am 28. Juni und einem Ökumenischen Konzert am 7. September. Am 28. Juni wird Annette Kurschus, die Präses der Ev. Kirche von Westfalen im Festgottesdienst die Predigt halten. Was sie über den Kirchenkreis Arnsberg denkt, hat sie in einem Interview mitgeteilt:

 Frau Präses Kurschus, was fällt Ihnen spontan ein, wenn Sie an den Kirchenkreis Arnsberg denken?

Klein, aber oho! Aus Arnsberg kommen wichtige Impulse für unsere Kirche. Zum Beispiel das starke evangelische Engagement für Asylbewerber. Nach dem Zweiten Weltkrieg sind hier zahlreiche Flüchtlinge aus Ostpreussen und Schlesien angekommen, sehr viele davon waren evangelisch. Sie haben hier eine Heimat gefunden. Das mag die große Bereitschaft erklären, sich für Menschen einzusetzen, die heute auf der Flucht sind und eine neue Heimat suchen.

 Der Kirchenkreis Arnsberg liegt in einer ländlichen, überwiegend katholischen Region. Die Zahl der Gemeindeglieder nimmt ab. Abbau und Veränderung der vertrauten Strukturen sind häufige Gesprächsthemen und entmutigen manche Gemeindeglieder und Mitglieder der Leitungsorgane. Was kann die evangelischen Gemeinden hier ermutigen?

Veränderungen und Umbrüche sind fast immer schmerzlich. Wo Vertrautes endet, braucht es Zeit zum Trauern. Trauer ist regelrechte Arbeit. Sie durchläuft unterschiedliche Phasen – und kann schließlich dazu führen, dass wir bereit sind für Neues. Ich wünsche den evangelischen Geschwistern im Kirchenkreis Arnsberg - und auch mir selbst! - , dass wir lernen, die Veränderungen nicht nur mit der Defizit-Brille zu sehen. Wo Vertrautes endet, kann Unerwartetes möglich werden. Unsere Kirche wird anders, doch muss sie deshalb nicht kärglicher und mickriger werden. In manchem Ende wohnt eine große Chance! Das sage ich mir zuallererst selbst immer wieder, weil ich die Gefahr der Entmutigung kenne. Der Weg zum Reformationsjubiläum mag eine gute Gelegenheit sein, um neu zu fragen: Welche Umbrüche und Neuanfänge sind im Kirchenkreis Arnsberg dran? Worauf können Sie sich dabei gründen? Und wie kann bis in unsere Strukturen hinein deutlich werden, dass wir auf die Verheißung Jesus trauen: „Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende“?

 Welche anderen Herausforderungen sehen Sie hier?

Wo die Protestanten in der Minderheit sind, müssen sie sich inmitten einer katholischen Mehrheit behaupten. Das kann dazu helfen, sich der eigenen Stärken besonders bewusst zu sein und das eigene konfessionelle Profil zu schärfen.  Man könnte denken, dies führe zu Abgrenzung und Konfrontation. Ich erlebe es genau umgekehrt: Wo Menschen einen klaren eigenen Standpunkt haben und das Eigene lieben lernen, da gelingt das Miteinander mit anderen besonders gut. Der Kirchenkreis Arnsberg führt das lebendig vor Augen – ich denke beispielsweise an die ökumenischen Kinderbibelwochen und die ökumenische Gottesdienste in den Kirchengemeinden.

Eine andere Herausforderung liegt in der Frage: Wie kann Kirche in der ländlichen Fläche präsent bleiben? An dieser Stelle gerät die besondere Stärke des Evangeliums in Gefahr: Die Frohe Botschaft ist auf menschliche Beziehung angewiesen. Personelle Ausdünnung erschwert kontinuierliche Präsenz und damit das Entstehen und Wachsen menschlicher Beziehungen. Hier werden wir sehr genau darauf achten müssen, dass eine gute Kooperation zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen gelingt. Es darf nicht die Versorgung an die Stelle echter Begegnung treten.

 Worauf freuen Sie sich, wenn Sie an das Fest und den gemeinsamen Gottesdienst am 28. Juni denken?

Auf die Begegnungen mit den Menschen vor Ort, auf die festliche Atmosphäre, auf schöne Kirchenmusik. Musikalisch hat der Kirchenkreis Arnsberg ja eine beeindruckende Vielfalt und Qualität zu bieten: vom Projektchor über die Kreiskantorei bis zum Südwestfälischen Kammerchor.

Die Fragen stellte Kathrin Kopppe-Bäumer.


Präses Annettte Kurschus an ihrem Schreibtisch im Landeskirchenamt in Bielefeld.

 
 
 
 
„Klein aber oho!“- Kirchenkreis Arnsberg wird 50 - Präses gratuliert
 

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