12.06.2014

Kirchen öffnen und Ökumene klären-Jubiläumsfestakt am 11. Juni


Ehemaliger Berliner Bischof Wolfgang Huber machte Hoffnung beim Festakt zum 50-jährigen Jubiläum des Ev. Kirchenkreises Arnsberg.

Meschede. „Mit Wolfgang Huber ist ein prominenter Vertreter des Protestantismus zu uns in die Provinz gekommen“, begrüßte Superintendent Alfred Hammer den ehemaligen Ratsvorsitzenden der Ev. Kirche in Deutschland Prof. Dr. Wolfgang Huber im voll besetzten Gemeinsamen Kirchenzentrum in Meschede, „einem herausgehobenen ökumenischen Ort“ in Hubers Augen. Der bekannte Ethik-Professor sieht im Gründungsjahr des Kirchenkreises 1964 eine Zeit des Umbruchs: Damals habe sich die moderne Kirche entwickelt. Freiheit sei eines ihrer Merkmale. Der Mensch werde nicht mehr in die Kirche hineingeboren, sondern wähle freiwillig seine Kirchenzugehörigkeit. 50 Jahre später: ein erneuter Umbruch. Die Kirche ist im Pluralismus angekommen. „Die Präsenz des Islam ist auch im Sauerland unverkennbar.“

Wegweiser für den Glauben werden
Welchen Weg kann Kirche jetzt gehen? Huber: „Offene Kirchen brauchen wir und Menschen, die sie hüten.“ Denn „Kirchen können Wegweiser zum Glauben sein.“ Außerdem müssen Theologen und Gemeindeglieder Glaubensinhalte erklären könnten. „Menschen glauben heute mehr an Schutzengel als an den Heiligen Geist.“ Die Kirche muss Räume eröffnen, wo Menschen Erfahrungen mit den Glaubensinhalten machen können. Huber grenzte sich ab von Gemeinden und Kirchen, die nur ihren eigenen Restbestand pflegen. Er schätze christliches Glaubensleben wie Mittags- und Abendgebete, aber nur in einer Kirche, die sich öffnet. Abzulehnen sei auch eine prophetische Haltung, die die Gesellschaft unverständlich anpredige. Dringend riet er von kirchlicher Besserwisserei ab.

Verbindendes leben und Trennendes aushalten
Evangelische und katholische Kirche müssten Innen und Außen besser verbinden, damit Glaubensinhalte bei den Menschen von heute ankommen. Wenn christliches Leben anderen Menschen einleuchtet, hören und verstehen die, was Kirchen zu gesellschaftlichen Problemen sagen.
Huber forderte eine „geklärte Ökumene“: Protestanten und Katholiken, die behaupten, das Bekenntnis zu Jesus Christus sei verbindender als das unterschiedliche Amtsverständnis, müssten praktische Konsequenzen daraus ziehen. Wenn Unterscheidungen beiden wichtig sind, dann sollten sie diese in Liebe aushalten. Das Reformationsjubiläum 2017 stelle die Frage nach der ökumenischen Reife beider Kirchen.

Würde statt Werte
Dass der Kirchenkreis Arnsberg wahrscheinlich in 50 Jahren kein 100. Jubiläum feiern werde, solle keine Angst machen. „Hoffnung will ich Ihnen mit auf den Weg geben, denn Strukturen verändern sich, die Kirche Jesu Christi bleibt.“
Albert Henz, Vizepräsident der Ev. Kirche von Westfalen dankte Huber für seinen „präzisen und brillanten Vortrag“ und bat Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann, Landrat Dr. Karl Schneider und Propst Hubertus Böttcher um Reaktionen.
Schneider sieht aktuelle gesellschaftliche Umbrüche im Hinblick auf Kinderbetreuung, Ausländerrecht und die Aufnahme von Flüchtlingen. In Konfliktfällen wünsche er sich Gespräche. Bollermann nimmt „verschärfte Pluralität“ im Bereich der Schulen, der Umwelt und der Asylverfahren wahr. Ein beschleunigter Wandel von Bekenntnis- zu Gemeinschaftsgrundschulen sei nötig. Von der evangelischen Kirche erhofft er sich ein deutliches Bekenntnis und den Mut, sich einzumischen.
Böttcher wünscht sich vertrauensvolle Gespräche, um auch Konflikte ansprechen zu können. In den Aussagen der Ev. Kirche in Deutschland zur Frage der Familie vermisse er eine positive Würdigung der Lebensform Ehe.
Abschließend würdigte Huber die vom Regierungspräsidenten gegründete Wertekommission kritisch: Die Aufgabe der Kirchenvertreter in dieser Kommission sei es, „das fremde Wort des Evangeliums einzubringen“ und den Blick von den käuflichen Werten auf die unverfügbare Würde zu lenken. „Kirche soll sich nicht als Bundesagentur für gesellschaftliche Werte verstehen.“
Huber ist mit seinen Vorstellungen von Evangelischer Kirche im Sauerland angekommen. Das zeigten Superintendent Hammers Dankesworte: „Wir wollen offene Kirche sein. Die Menschen sollen bei uns bekommen, was sie brauchen.“ Danach lud er alle Sauerländer zum Fest am 28. Juni in Meschede ein.

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Kirchen öffnen und Ökumene klären-Jubiläumsfestakt am 11. Juni
 

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