04.06.2014

Das Leben ist kein Blumenstrauß aber ein Korb voller Erinnerungen - Zwei evangelische Pfarrerrinnen erzählen


1964 ging der Ev. Kirchenkreis Arnsberg aus dem Kirchenkreis Soest hervor. Im selben Jahr wurde in der Ev. Kirche von Westfalen das „Pastorinnengesetz" beschlossen und 10 Jahre später die völlige rechtliche Gleichstellung mit den männlichen Kollegen. Die Mehrheit der zweiten Arnsberger Synode im September 1964 hatte zwar dagegen gestimmt, konnte aber die Entwicklung nicht aufhalten. Heute arbeiten 39 Pfarrer und Pfarrerinnen im Ev. Kirchenkreis Arnsberg. 16 davon sind Frauen die zum Teil in 100%-Stellen/ zum Teil im eingeschränkten Dienst in den Kirchengemeinden in Schulen und in Arbeitsbereichen des Kirchenkreises tätig sind. Beim Geburtstagsfest des Kirchenkreises Arnsberg am 28. Juni in Meschede erzählt Pfarrerin Sabine Haussner aus der Geschichte. Kathrin Koppe-Bäumer stellt sie und ihre jüngere Kollegin Claudia Schäfer vor.

Auf immer Vikarin?
1964 arbeite Sabine Haussner als Vikarin in Arnsberg. „Für ein Jahr Hilfsdienst kam ich im November 1959 ins Sauerland“, erinnert sich die heute 83-jährige Pfarrerin im Ruhestand. Damals blieben die Theologinnen trotz gleicher Ausbildung Vikarinnen, die Theologen wurden Pastoren oder Pfarrer. Wenn eine Vikarin heiratete, wurde sie aus dem Dienst entlassen. Ehefrauen und Mütter, davon war man damals überzeugt, könnten keine Pfarrerinnen sein.

Als Schulpfarrerin die Sprache der Menschen gelernt
,,Als Leihgabe der Kirche an die Schule", bezeichnet Sabine Haussner sich. An beiden Orten konnte sie sich entfalten. „Die 68-er lehrten mich Marx und Engels kennen." Glaubwürdig und in moderner Sprache musste sie theologische Inhalte vermitteln und persönlich Lebensfragen beantworten. Davon hat sie in den Gemeindegottesdiensten profitiert: „Meine Sprache war verständlich."

Gleiches Recht braucht langen Atem
Claudia Schäfer, geboren 1964 in Herford, kam 30 Jahre nach Sabine Haussner in den Kirchenkreis. Zunächst auch als Vikarin, doch am Ende ihrer Ausbildung wurde sie sofort Pfarrerin. Als Ehefrau und Mutter teilte sie sich mit ihrem Mann Martin Schäfer Pfarrstellen in der Kirchengemeinde Arnsberg. „Ich habe dieselben Rechte wie die Pfarrer“, sagt sie, „für die Gemeinde war das zunächst nicht selbstverständlich.“ Während des Erziehungsurlaubs ihres Mannes, bereitete sie mit einer Witwe die Beerdigung  des verstorbenen Ehemannes vor. „Beim Abschied sagte die Frau: „Gut, dass Sie alles aufgeschrieben haben. Da kann ihr Mann die Trauerfeier gut halten.“ Dass die Frau beerdigt, während der Pfarrer die Kinder erzieht, das war gewöhnungsbedürftig. Sabine Haussner hat Respekt vor den jüngeren Pfarrerinnen, die Familie und Gemeinde vereinbaren. „Als unverheiratete Frau hatte ich mehr ungeteilte Zeit für meine Arbeit.“

Wachstum damals - Rückbau heute
1964 mussten im Kirchenkreis Arnsberg evangelische Vertriebene und Einheimische zusammenwachsen, Gemeindehäuser und Kirchen wurden gebaut. „Wir entwickelten uns damals in die Weite, auch gedanklich“, erinnert sich Sabine Haussner. Zu einer Kirche zu gehören, war selbstverständlich. Heute zwingt der  Rückgang an Pfarrstellen die Pfarrbezirke zusammenzuwachsen. „Wir verkaufen Gemeindehäuser und Kirchen“, so Claudia Schäfer. „ Viele treten aus der Kirche aus und denken nicht mehr über den Glauben nach.“ Trotzdem sucht sie immer wieder neu Sprache für den Glauben und will die biblischen Texte in die Gegenwart übersetzen.

Späte Früchte der Arbeit
Erfolge stellen sich oft erst nach langer Zeit ein. Davon erzählt auch die Kollegin im Ruhestand. Oft hat sie Kontakt zu ehemaligen Schülern und Schülerinnen. „Wenn ich dann spüre, wie gut es ihnen tut, dass ich mit ihnen rede und dass sie wissen, ich bete für sie, freue ich mich über die Früchte meiner Arbeit und weiß: Gott hat noch eine Aufgabe für mich. Er braucht mich, obwohl ich alt bin.“

KKB

 

BU: Sabine Haussner und Claudia Schäfer an einem Tisch mit verschiedenen Beffchen, die Vikarinnen hatten früher einen Kragen und „kein Schlabberlätzchen für den Bart“, so Sabine Haussner. 


Sabine Haussner und Claudia Schäfer an einem Tisch mit verschiedenen Beffchen, die Vikarinnen hatten früher einen Kragen und „kein Schlabberlätzchen für den Bart“, so Sabine Haussner.

 
 
 
 
Das Leben ist kein Blumenstrauß aber ein Korb voller Erinnerungen - Zwei evangelische Pfarrerrinnen erzählen
 

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